FC Bayern Wie aus Kimmich ein Anführer wurde

Der Lieblingsschüler von Trainer Pep Guardiola: Joshua Kimmich

(Foto: Bongarts/Getty Images)
Von Christof Kneer

Am Dienstag war Hansi Flick beim FC Bayern zu Besuch. Der DFB-Sportdirektor macht in seiner Rolle als Funktionär fast noch mehr Kilometer als früher auf dem Feld, und schon da war er so viel herumgekommen, dass er sich in der sehr schönen Sportsprache der Achtzigerjahre das Prädikat "fleißiges Lieschen" erwarb.

Flick muss gerade eine Menge organisieren zwischen den Strafräumen der Bundesliga, es gibt einfach viel zu viele gute Spieler im Land. Man muss das ja alles besprechen: Welches Talent könnte man Horst Hrubesch fürs olympische Turnier anbieten, welches dieser Talente will Joachim Löw vielleicht schon für die EM haben, und was halten die Vereine davon?

Am Dienstag haben sie an der Säbener Straße natürlich auch über einen Spieler debattiert, den plötzlich alle haben wollen, und am Ende der Debatte stand eines fest: Nein, Joshua Kimmich wird nicht erst mit der A-Elf zur EM fahren und dann mit der Olympia-Elf nach Rio reisen und parallel mit dem FC Bayern die Saisonvorbereitung, den DFB-Pokal und die ersten Ligaspiele bestreiten. Grund: Kimmich ist zwar ein Mittelfeldspieler, der auch Innen- und vielleicht bald Außenverteidiger spielt. Aber er kann halt nicht überall sein.

Irgendwer hat gerade die Vorspultaste gedrückt in der Karriere von Joshua Kimmich, 21. Als er vorigen Sommer nach München kam, haben sie im Umfeld dieses stolzen Vereins ein wenig dahergegrantelt: Was is'n des für oana? Sieben Millionen für einen, der erst mal a g'scheide Brotzeit braucht?

Und nur ein Dreivierteljahr später muss dieser schmale Mensch schon einen Zweikampf führen, den er vermutlich selbst nicht erwartet hat. Seit ein paar Wochen kämpft Kimmich gegen die Reflexe des modernen Fußballs, der jedes Talent, das drei seriöse Spiele macht, sofort als das nächste große Ding im Weltfußball feiert.

Kimmich ist cool, das war er immer schon

Seit Pep Guardiola die möglicherweise ansteckende Verletzungsepidemie in seiner Innenverteidigung mit der Erfindung des Innenverteidigers Kimmich gekontert hat, ist um den jungen Mann ein Hype entbrannt, den man vermutlich nur kontrollieren kann, wenn man Joshua Kimmich ist. Kimmich ist einer, der im eigenen Strafraum einen dreisten Lupfer über Paul Pogba spielt (wie im Hinspiel in Turin), Kimmich ist cool, das war er immer schon. Aber zu seiner Coolness gehört auch, dass er eines ganz genau weiß: Er macht noch Fehler (wie im Hinspiel in Turin). Er ist noch lange nicht das große Ding, das manche schon in ihn hineinfantasieren. Aber, und auch das weiß er sehr präzise: Er will das schon mal werden. Und übrigens, er traut sich das schon auch zu.

Kimmich sei "ein süßer, süßer Junge", hat der komische, komische Trainer des FC Bayern kürzlich gesagt, aber das hat ihn wenig später nicht davon abgehalten, vor diesem niedlichen Kerlchen eine besorgniserregende Show abzuziehen. Guardiolas Glotz-Motz-und-Streichel-Einheit nach dem Dortmund-Spiel ist schon jetzt legendär, und die Auflösung dieses irren Rätsels war am Ende enttäuschend simpel.

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Guardiola wollte von Kimmich nur wissen, warum er sich nicht an die neue Positionsdefinition gehalten habe, die er ihm vom eingewechselten Medhi Benatia hatte übermitteln lassen. Wer Guardiola kennt, weiß: Solche Ausbrüche widmet er nur Spielern, die es ihm wert sind.