FC Bayern Alleinikow fordert Zusammenhalt

Arjen Robben (re.): Dribbelte nicht um die Wahrheit herum

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Es gab wahrscheinlich bisher keine Saison, in der ein 3:0 des FC Bayern zum Ausdruck allgemeiner Unruhe wurde, wie nun nach dem Spiel gegen Anderlecht.
  • Vor allem Ribéry fällt durch seinen Trikotwurf bei der Auswechselung auf.
  • Der einzige Münchner, der anschließend keine Wahrheit umdribbelt, ist Arjen Robben.
Von Benedikt Warmbrunn

Drei Möglichkeiten hat ein Einwechselspieler grob zusammengefasst, um den, der für ihn den Platz verlässt, zu grüßen. Die unhöfliche: ein Sprint aneinander vorbei, keine Berührung. Die förmliche: ein Handschlag. Die herzliche: eine Umarmung. Thomas Müller kennt diese Optionen, bis zum Dienstagabend war er in seiner Karriere immerhin 71 Mal eingewechselt worden. Nun also stand er an der Seitenlinie der Arena in München, es lief die 78. Minute, und der Mann, der gehen musste, kam von der anderen Spielfeldseite. Er ließ sich sehr viel Zeit. Er schimpfte, eine ganze Spielfeldüberquerung lang. Thomas Müller konnte also in Ruhe die drei Optionen durchgehen.

Selbst einem Zürnenden gegenüber empfiehlt sich Höflichkeit, Variante eins schied also aus. Variante drei, die Umarmung, hätte die eigene Gesundheit gefährdet, so viel Wut verließ da gerade den Platz. Also streckte Müller seine Hand aus, er beugte seinen Oberkörper weit zur Seite, und so bekam er sie gerade noch zu fassen, die Hand von Franck Ribéry.

Ribéry pfeffert sein Trikot auf die Bank

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Dann sprintete Müller auf den Rasen, und so verpasste er, wie diese noch junge Saison des FC Bayern in seinem Rücken ihr bisher prägnantestes Bild bekam.

3:0 (1:0) hat der FC Bayern zum Auftakt der Gruppenphase der Champions League gegen den RSC Anderlecht gewonnen, es gab Spielzeiten, in die der Verein mit einem weniger klaren Ergebnis gestartet war. Es gab aber wahrscheinlich bisher keine Saison, in der ein 3:0 des FC Bayern zum Ausdruck allgemeiner Unruhe wurde.

Er war wütend, er wollte wütend sein

So sprach nach diesem Spiel niemand darüber, dass Robert Lewandowski mal wieder einen Elfmeter verwandelt hatte (12.), auch nicht darüber, dass er diesen sowie eine rote Karte für Anderlecht herausgeholt hatte, unter anderem durch eine Ballmitnahme mit der Brust, die nur wenige Fußballer beherrschen. Es sprach keiner darüber, dass Thiago in Mittelstürmer-Manier getroffen hatte (65.). Es sprach nicht einmal jemand darüber, dass Joshua Kimmich mit einem frechen Minidribbling den Endstand erzielt hatte (90.). All das wären in anderen Spielzeiten durchaus ordentliche Geschichten gewesen nach einer Auftaktpartie, die mit einem Ergebnis endete, wie es die meisten erwartet hatten.

Aber alle sprachen über Franck Ribéry.

Nachdem Müller seinem Mitspieler den Handschlag aufgezwungen hatte, verzichtete Ribéry auf jegliche weitere Förmlichkeit. Er stapfte die Bank entlang, riss sich das Trikot vom Körper und schleuderte es auf die Bank. Er war wütend, er wollte wütend sein, und er wollte, dass es alle mitbekommen. Auch und ganz besonders Carlo Ancelotti. Der aber saß am anderen Ende der Bank, die Hände vor der Brust, den Blick starr aufs Spielfeld gerichtet. "Ich wollte ihm ein bisschen Ruhe geben", erklärte der Trainer später, warum er Ribéry ausgewechselt hatte. Zu der Szene, die er ignoriert hatte, sagte Ancelotti nur: "Zu seiner Reaktion will ich mich nicht äußern."