Fanszene beim FC Bayern Nimmt FC Bayern schlechte Stimmung in Kauf?

Schließlich spart man sich dann Ärger mit Pyrotechnik, vereinskritischen Äußerungen und allem, was eine Fanszene neben den Anfeuerungen und den hübschen Choreografien an lästigen Begleiterscheinungen bringt. "Die Vereinsführung ist sich wohl bewusst, dass die Stimmung in der Südkurve spürbar schlechter sein wird", sagt Weinreich. "Aber der FC Barcelona hat seit Jahren keine Fankurve mehr, und ich denke, das könnte das Vorbild sein nach dem Motto: Da hat auch keiner was vermisst."

Zudem gibt es jetzt nicht nur Ärger um die Heim-, sondern auch um die Auswärtsspiele. Die Inhaber der Auswärts-Dauerkarten, dabei handelt es sich um rund 400, erhielten die Mitteilung, dass diese "für alle Auswärtsspiele in den Uefa-Klubwettbewerben sowie für alle Auswärtsspiele im DFB-Pokal ersatzlos gestrichen" seien. Das bedeutet, dass sich die treuesten Mitfahrer ihre Tickets für die Spiele selbst organisieren müssen - was in vielen Fällen sehr schwierig ist.

"Der FC Bayern hat in der vergangenen Saison 150.000 Euro an Strafen bezahlt, weil in unseren Fanblocks Pyrotechnik gezündet wurde", erklärte Pressesprecher Markus Hörwick. "Und diese Pyros kamen nachgewiesenermaßen genau aus dem Klientel der Fans mit Auswärtsdauerkarten." Am Ende gaben Vorfälle beim Champions-League-Finale und beim DFB-Pokal-Finale den Ausschlag, die für den FC Bayern "nicht nur peinlich, sondern auch sehr teuer" gewesen seien, sagte Hörwick: "Da begehen so genannte Fans in unserem Namen Straftaten im Stadion. Das können wir nicht hinnehmen."

Auswärts-Dauerkarten werden gestrichen

Die Betroffenen beklagen natürlich Sippenhaft - so können die Inhaber von Sitzplätzen schwerlich beteiligt gewesen sein, ihre Auswärts-Dauerkarten wurden aber auch gestrichen. "Das ist die größte Farce", findet Weinreich, und Viehauser meint: "Eine Argumentation ist eigentlich nicht vorhanden. Man geht das Problem Pyrotechnik damit nicht wirklich an." Es gebe unter den Zündlern "sehr viele Trittbrettfahrer", die mit dem engsten Kreis der Fans nichts zu tun hätten, aber in den Blöcken dessen Nähe suchten. Selbst ein Mitarbeiter des FC Bayern bestätigt: "Das waren natürlich nicht nur Auswärts-Dauerkarten-Besitzer. Sondern um die herum hat sich die ganze Szenerie versammelt."

Der FC Bayern schrieb dennoch an die Fans: "Wir behalten uns vor, bei fortdauerndem Fehlverhalten das Angebot der Auswärtsdauerkarte zur Saison 2014/15 komplett einzustellen" - auch für die Bundesliga. Viehauser wundert das auch nicht mehr. "Man weiß eigentlich nicht mehr, was man groß machen soll", sagt er. "Man kann eigentlich nur resignieren." Immer mehr Fans werden - wie er - einfach verschwinden. Wie schon am Montag in Osnabrück gegen Rheden. "Etliche Leute, die seit vielen Jahren kein DFB-Pokal-Spiel verpasst haben, fahren nicht mit", sagt Weinreich. Bei anderen befürchtet er einen "Abkapselungsprozess über Monate".

Viehauser sieht es mit Ironie. Er findet, so gesehen mache der vor zwei Jahren als "Konfliktmanager" zwischen Klub und Fans engagierte Wolfgang Salewski seine Arbeit hervorragend. Er betreute zuvor die Anti-Terror-Einheit GSG 9. "Es läuft alles nur noch über Salewski", hat Viehauser festgestellt. "Den Job, den er gelernt hat, macht er super: Terroristen bekämpfen."