Europameisterschaft Deutsche U21 zeigt, was sie kann

In die Mangel genommen: Mitchell Weiser spürt die Härte der tschechischen Gegenspieler Stefan Simic (l.) und Tomas Soucek.

(Foto: Jan Woitas/dpa)
  • Die deutsche U21 startet erfolgreich in die Europameisterschaft in Polen.
  • Gegen Tschechien gelingt zum Auftakt ein 2:0, Meyer und Gnabry treffen.
Von Ulrich Hartmann, Tychy

Die deutschen Fußball-Junioren sorgen in Polen für Aufsehen. Sobald sie in ihrem Mannschaftsbus irgendwo durch die Gegend rollen, werden sie von blaulichternden polnischen Polizeimotorrädern mit lauten Sirenen eskortiert. "Superstars von morgen", steht ein bisschen großspurig auf dem Bus, aber am Sonntagabend hat man in ihrem ersten Spiel bei der U21-Europameisterschaft einen Eindruck davon bekommen, wie viel Potenzial in diesen Spielern steckt. Beim hochverdienten 2:0 (1:0)-Sieg gegen Tschechien durch Tore vom Schalker Max Meyer und vom baldigen Münchner Serge Gnabry sammelten sie die ersten drei wichtigen Punkte.

Seit bei dieser EM erstmals zwölf Mannschaften mitspielen dürfen, ist es noch schwieriger, ins Halbfinale zu gelangen. Um einer von drei Gruppensiegern oder der beste Zweite zu werden, darf man sich keinen Ausrutscher erlauben. Das gilt auch weiterhin für die Partien am Mittwoch gegen Dänemark und am Samstag gegen Italien. Bundesliga-erfahrene Torhüter waren immer eine Stärke der deutschen U21. Beim EM-Triumph 2009 stand Manuel Neuer im Tor, im Halbfinale 2015 Marc-André ter Stegen und beim Gewinn von Olympia-Silber im vergangenen Jahr Timo Horn. Diesmal besteht das deutsche Torwart-Trio aus den Zweitliga-Keepern Julian Pollersbeck (Kaiserslautern) und Marvin Schwäbe (Dresden) sowie dem bei Panathinaikos Athen tätigen Odisseas Vlachodimos.

Starker Start dank Gnabry und Meyer

Die deutsche U21 startet gut in die Europameisterschaft. Beim 2:0 gegen Tschechien verschießt Selke sogar noch einen Elfmeter. mehr ...

Trainer Stefan Kuntz hatte sich zur Turnier-Premiere für Pollersbeck entschieden. Im offiziellen Uefa-Spielbericht firmierte der kaum bekannte Bayer glatt als Jannik. Der 22 Jahre alte Altöttinger, der 2013 von Wacker Burghausen zum 1. FC Kaiserslautern gewechselt ist, wollte nach eigener Aussage als Jugendlicher immer nur eines werden: "Einen Meter Fünfundneunzig groß."

Auswärtspartie für die deutsche U21

Mit exakt diesen 195 Zentimetern Körperlänge stand er nun am Sonntag in einem Fußballtor in der südpolnischen Stadt Tychy und hatte keinen Kopf für seinen vermutlichen Wechsel zum Hamburger SV, sondern ausschließlich dafür, mit der deutschen Mannschaft das erste Spiel zu gewinnen. Zehn Bundesliga-Feldspieler hatte Kuntz dafür im Blickfeld des Torwarts in einem 4-2-3-1-System positioniert: die Viererkette mit dem Hoffenheimer Jeremy Toljan, dem Berliner Niklas Stark, dem Freiburger Marc-Oliver Kempf und dem Wolfsburger Yannick Gerhardt, das defensive Mittelfeld mit dem Gladbacher Mahmoud Dahoud und dem Wolfsburger Maxi Arnold, die offensive Dreierreihe mit dem Berliner Mitchell Weiser, dem Schalker Meyer und dem Noch-Bremer Serge Gnabry sowie die zentrale Stürmerposition mit dem Leipziger Davie Selke.

In Toljan, Meyer, Gnabry und Selke standen vier Spieler in der Startelf, die im vergangenen Jahr im olympischen Fußballfinale Silber gewonnen hatten. Damals spielten sie noch unter Trainer Horst Hrubesch, der im Deutschen Fußball-Bund zum Sportdirektor aufgestiegen ist und Kuntz zum Titelgewinn assistieren möchte. Er hält sich damit aber weitgehend zurück. Am Sonntag schaute er im blauen Anzug von der Haupttribüne aus zu.

Das Spiel war für die Deutschen wahrlich eine Auswärtspartie. Viele Zuschauer aus dem nahen Tschechien und kaum deutsche sorgten akustisch für klare Verhältnisse. Fußballerisch lief es aber komplett anders herum. Die bedingungslos offensiv eingestellten Deutschen dominierten gleich die erste Halbzeit. Die Außenverteidiger Gerhardt und Toljan rückten sehr weit auf, und nachdem Gnabry als aktivster Spieler einmal rechts knapp vorbei (5.) und einmal links an den Pfosten geschossen hatte (28.), traf Meyer eine Minute vor der Pause ins Schwarze.

Selke verschießt einen Handelfmeter

Am meisten Respekt hatten die Deutschen vor Tschechiens Mittelstürmer Patrik Schick gehabt, der in Genua spielt und als 30-Millionen-Kandidat bei Juventus Turin gilt. Doch Schick blieb blass, weil Kapitän Arnold die Defensive gut organisierte. Und nicht nur das. Fünf Minuten nach der Pause schickte der Wolfsburger den Linksaußen Gnabry zum 2:0 und damit zur frühen Vorentscheidung. Als Titelmitfavoriten entsandten sie mit diesem Sieg auch ein kämpferisches Signal an die sehr stark ins Turnier gestarteten Spanier (5:0) und Portugiesen (2:0).

Nach dem zweiten Tor verlor die deutsche Mannschaft aber auffällig an Spannung und gestattete den Tschechen mehrere unnötige Aktionen. Kuntz regte sich am Spielfeldrand darüber auf. Torwart Pollersbeck hätte den Tschechen im Leichtsinn beinahe den Ehrentreffer ermöglicht, hatte aber Glück und hielt sein Tor in seinem erst dritten Länderspiel sauber. Per Handelfmeter hätte Selke in der 85. Minute sogar noch das 3:0 erzielen können, ließ Tschechiens Torwart Lukas Zima aber parieren.

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