Eintracht Frankfurt Armin Veh muss bleiben

Bundesligareif derzeit nur beim Einhandeln von Verwarnungen: Marco Russ (links) und Carlos Zambrano (Nummer 5) fehlen im nächsten Spiel wegen einer Gelbsperre.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)
Von Tobias Schächter, Frankfurt

Mitte Juni saß Armin Veh in einem kariertem Hemd und Jeans und braun gebrannt in einem Frankfurter Hotel. Die Sonne strahlte durch die Fensterfront, es wurde viel gelacht bei der Vorstellung des neuen Trainers von Eintracht Frankfurt. Man kannte sich ja. Mit Veh spielte die Eintracht vor zwei Jahren in der Europa-League, 12 000 Fans begleiteten sie nach Bordeaux. Europapokal statt Mittelmaß - das war die Sehnsucht, die Veh und die Eintracht wieder zusammenkommen ließ. Und Veh erklärte bei seiner zweiten Vorstellung in Frankfurt im Juni: "Ich möchte ein bisschen träumen und etwas erreichen, was nicht jeder erwartet."

Fünfeinhalb Monate später sitzt er auf dem Podium im Bauch der Frankfurter Arena. Ein Raum ohne Fenster, der wie die Fortführung der angrenzenden Tiefgarage wirkt. Niemand lacht an diesem Sonntagabend, außer den 7000 Fans und den Spielern aus Darmstadt. Der Aufsteiger hatte das erste Erstligaderby der Rivalen seit 33 Jahren gerade 1:0 gewonnen. Für die Eintracht war es nach dem 1:2 von Mainz die zweite Derby-Pleite innerhalb von acht Tagen, die dritte Niederlage in Serie, der fünfte sieglose Auftritt nacheinander.

Vereinzelte "Veh raus"-Rufe waren zu hören. Frankfurter Fans setzten Darmstädter Banner in Brand, einige rannten nach dem Spiel auf den Platz und stritten mit den Spielern, es kam zu Schlägereien in der Stadt. Der Abend geriet zum Debakel für Eintracht Frankfurt und Veh sagte passend zur Farbe seines Anzugs: "Das ist eine ganz bittere Niederlage, auch für mich persönlich. Ich habe ja schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber das ist eine der schwärzesten Stunden."

Eintracht Frankfurt steht mit 14 Punkten nach 15 Spielen nur noch einen Punkt vor dem FC Augsburg auf Relegationsrang 16. Und niemand wagt zu sagen, dass der Tiefpunkt schon erreicht sei. Im Vorjahr hatte die Mannschaft zum gleichen Zeitpunkt 21 Zähler. Der Trainer damals hieß Thomas Schaaf. Aber weil ihn weder Spieler noch Umfeld mochten, gab Schaaf auf.

Mit 43 Zählern am Saisonende hatte der spröde Schaaf aber das Optimum aus den Frankfurter Bedingungen geholt. Doch die Eintracht will ja immer höher hinaus. Veh, 54, schien der Richtige zu sein, doch seit Sonntag lautet die zentrale Frage: Ist Armin Veh der Trainer, der eine verunsicherte Mannschaft aus dem Tief führen kann?

Im Spiel in Dortmund fehlen der Eintracht tragende Teile ihrer Verteidigung

Nächste Woche, beim Tabellenzweiten Borussia Dortmund, geht es eher darum, die Niederlage in Grenzen zu halten, Spielmacher Marc Stendera sowie die Innenverteidiger Marco Russ und Carlos Zambrano fehlen gelbgesperrt. Außerdem ist der Einsatz des dritten Innenverteidigers David Abraham wegen einer Adduktoren-Verletzung ungewiss. Ein Sieg gegen Bremen im letzten Heimspiel vor der Winterpause ist also Pflicht, um "mit einem guten Gefühl in die Winterpause zu gehen", sagt Veh.