Düsseldorfs Trainer Norbert Meier Ein Künstler übt den Catenaccio

Norbert Meier war einer jener Spieler, derentwegen man gerne Eintrittsgeld zahlt. Wer ihn heute bei der Analyse erwischt, mag das kaum mehr begreifen. Manchmal muss man tief in der Vergangenheit wühlen, um würdigen zu können, was der Trainer mit der Null-Gegentore-Fortuna angestellt hat.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Der Unterhaltungsbetrieb Fußball vergisst nichts. Was passiert ist, ist passiert und Teil des kollektiven Gedächtnisses. Nicht jedem kann es recht sein, wenn die Sünden von einst wiedergekäut werden, und so hat sich der Trainer Christoph Daum empört am Sonntag, weil er sich im Sky-Studio seiner Meinung nach unfair herausgefordert sah.

Er dachte, er sei geladen, den Ligabetrieb inklusive des Aufstands der Aufsteiger Düsseldorf und Frankfurt zu kommentieren, sah sich aber plötzlich doch wieder mittendrin im Gestrüpp des Gestrigen. Daum wurde angesprochen auf jene Rauschmittel-Affäre im Jahre 2000, die seine Wiedereingliederung in den Trainingsbetrieb bis heute erschwert, und da es in einer Live-Sendung kein Entkommen gibt, stellte er sich tapfer dem Thema, nicht ohne abschließend etwas quer anzumerken: "Hätte ich das gewusst, als ich vorher hier reingekommen bin, wäre ich auch nicht gekommen."

Auch Norbert Meier hat einmal durch eine heftige Affäre am Spielfeldrand ein Traineramt verloren. Im Dezember 2005 beim MSV Duisburg war dies, doch diese Geschichte ist zu vernachlässigen, will man auch nur im Ansatz verstehen, was er mit der Null-Gegentore-Fortuna angestellt hat.

Denn Meier coacht dort gegen sein eigenes Naturell. Oder besser: gegen jenes Naturell, das sein einstiger Trainer Otto Rehhagel ihm zuschrieb, er selbst hat das damals ja nie so recht akzeptiert. Von 1980 bis 1989 hat Meier Werder Bremen mitgeprägt, er erzielte in 281 Ligaspielen 81 Tore, er wirbelte an der Seite von Rudi Völler.

Er war einer jener Spieler, wegen denen man gerne Eintrittsgeld zahlt, was mancher gar nicht mehr begreifen mag, der ihn heute bei der Analyse erwischt. Mit dieser ernsten, verkniffen wirkenden Mimik, hinter der Meier staubtrockene Kalauer-Serien tarnt: "Der Giefer hat eine Wunde am Kiefer. Das hört sich gut an. Aber für ihn ist das nicht so schön." Gut, das gewinnt keinen Comedy-Preis, aber es ist live und spontan.

Dieser Kiefer-Giefer steht im Tor der dichtesten Abwehr der Bundesliga, und dieser Meier hat sie gebaut. Um den erstaunlichen Jens Langeneke, 35, herum, der im Zentrum im Stile eines Spielertrainers die Aufsicht führt. Jener Meier also, der einst unter Rehhagel oft nur daheim mitspielen durfte, da ihn sein Chef auswärts unter dem Vorwurf der Defensivschwäche ausmusterte.

"Heimspiel-Meier" oder "Heim-Meier" wurde er genannt, und man muss diese Geschichte kennen. Man muss auch mal tief in der Vergangenheit wühlen, um würdigen zu können, dass es ein ehemaliger, etwas verzärtelter Dribbelkünstler ist, der den rheinischen Catenaccio erfunden hat.