Dopingfälle vor Olympia "Totale Kontrolle"

Drei Dopingfälle erschüttern den Biathlon kurz vor Olympia.

Drei Biathletinnen aus Russland und Litauen werden nur wenige Tage vor den Winterspielen in Sotschi positiv getestet. Besonders pikant: Eine von ihnen soll bei Olympia starten. Im Gastgeberland ist die Aufregung groß - manche wittern gar eine Verschwörung.

Von Thomas Kistner

"Bei uns hat die Nachricht wie eine Bombe eingeschlagen", sagt Wolfgang Pichler. Doch Konkretes über die neuen Dopingfälle wusste er selbst noch nicht, der deutsche Trainer der russischen Biathlon-Frauen; zu abgeschieden vom Rest des nationalen Skijäger-Trosses hat seine Gruppe in letzter Zeit trainiert, in Obertilliach/Österreich. Immerhin, das für ihn Wichtigste hat Pichler am Mittwoch erfahren: "Aus meiner Gruppe ist keine dabei. Beide Fälle betreffen die Konkurrenz-Gruppe!"

Neben den zwei Russinnen gibt es auch einen Fall in Litauen. Denn insgesamt drei Skijäger, hatte der Biathlon-Weltverband IBU mitgeteilt, seien wegen positiver A-Proben provisorisch für alle Veranstaltungen unter IBU-Regie gesperrt worden.

Zugleich wurde das Internationale Olympische Komitee alarmiert: Nächste Woche beginnen die Winterspiele in Sotschi, und gut informierte Quellen im Lager der Gastgebernation wollen wissen, dass eine der betroffenen Russinnen für Olympia nominiert sei. Die zweite soll sich, eher überraschend, nicht qualifiziert haben. Allerdings soll diese Biathletin schon eine Sperre wegen Blutdopings hinter sich haben.

Drei Biathleten unter Dopingverdacht

Kurz vor Olympia sperrt der Weltverband IBU drei Biathleten wegen positiver A-Proben. Namen sind bisher keine genannt worden, fest steht jedoch: Es handelt sich um Athleten aus Russland und Litauen. mehr ...

Die entlarvenden Tests fanden in der Wettkampfpause zwischen Weihnachten und Neujahr statt, teilte die IBU weiter mit. Die sich vorläufig zum spannendsten Thema bedeckt hält: Welche Substanz wurde ermittelt? Das ist in mehrfacher Hinsicht bedeutsam. Zum einen fliegen just russische Athleten, ob in Winter- oder Sommersportarten wie der Leichtathletik, traditionell gern in ganzen Trainingsgruppen auf.

Das deutet massiv auf ein in gewissen Sparten systematisiertes Doping hin: dass mehrere Trainingspartner gleichzeitig, doch ohne Wissen voneinander, dieselben Substanzen konsumieren, erscheint unwahrscheinlich und widerspricht den einschlägigen Betrugsrealitäten im Spitzensport. Und zweitens: Recht belastbaren Branchen-Gerüchten zufolge soll seit einiger Zeit ein neuartiger Doping-Wirkstoff in Umlauf sein in der sportiven Körperindustrie. Und das Zentrum dieser Bewegung wird in Osteuropa lokalisiert.