Doping-Urteil gegen Armstrong-Helfer Verurteilter Arzt betreute zahlreiche Sportler

Für den Radsport wird mit dem ersten Urteilsspruch der USADA nicht nur der systematische Betrug in den Sportgruppen des einstigen Idols konstatiert. So ist nun beispielsweise auch jemand wie Marti als Doper zu bezeichnen, der noch immer Zugriff ins Peloton besitzt: Er gilt seit 2006 als persönlicher "Coach" des spanischen Toursiegers Alberto Contador, der bis zum 5. August wegen Clenbuterol-Dopings gesperrt ist. Dann gibt er im Team der aktuellen Tour-Mannschaft Saxo sein Comeback.

Auch Ferrari soll laut italienischen Ermittlern bis zuletzt viele Dutzend Profis betreut haben, vornehmlich Landsleute. Wie Giro-Gewinner 2011 Michele Scarponi. Er fährt momentan, trotz einer drohenden Sperre, wegen des Ferrari-Kontakts - durch Frankreich. Mittwoch wurde er Tageszweiter.

Aber nicht nur der Radsport steht wegen der Sperre von Armstrongs einstiger Entourage am Pranger. Denn die Personalie Del Moral reicht weit über die Nische Radsport hinaus.

Bis Mittwochmorgen konnte man auf der Homepage der Performa SportConsulting in Valencia unter seinem Namen als Referenzen neben Armstrong auch dies lesen: Direktor des städtischen Instituto de Medicina del Deporte, Betreuung des spanischen Radnationalteams (1993 - 1998 und Olympia 2000) - sowie der Fußballer des FC Valencia und des FC Barcelona; wobei die Weltmarke Barça nach bisherigen Erkenntnissen nur in der Saison 2003/04 zu seinen Klienten zählte.

Auch betreute Del Moral an der Tennis-Akademie Valencia seit 2006 Topspieler wie Sara Errani, Dinara Safina, David Ferrer oder Marat Safin. Der Geher Francisco Fernández, Medaillengewinner bei Olympia 2004 und später wegen Dopingmittel-Besitzes gesperrt, nannte Del Moral als seinen Sportarzt.

2006 erschütterte den Radsport der Dopingskandal um den spanischen Blutmischer Eufemiano Fuentes. Le Monde berichtete damals von Verbindungen des Arztes zu den Fußballteams von Real Madrid und Barça. Die Zeitung musste die Darstellung zurücknehmen. Pat McQuaid, Chef des Radsport-Weltverbands UCI, äußerte damals Zweifel am sauberen spanischen Zauberfußball: Unter den rund 200 Fuentes-Kunden seien nur rund 60 Radprofis gewesen, der Rest verteile sich auf Fußball, Leichtathletik, Schwimmen und Tennis.

Der Ire McQuaid ist am Mittwoch vor der zehnten Touretappe gefragt worden, was er von den Entwicklungen in der Dopingklage Armstrong und dem für den Fall einer Verurteilung wahrscheinlichen Verlust der sieben Toursiege des Texaners halte. "Das wäre kein Desaster für den Sport", sagte der Chef der umstrittenen UCI, die Armstrong stets protegierte. "Denn der Beginn der Affäre liegt 15 Jahre zurück, und die Leute schauen nur nach vorne und wissen, dass sich der Radsport verändert hat."