Doping im Sport Scharapowas Dopingmittel boomt

"Wir nennen Mildronat hier schon Scharaponat": Die Verkaufszahlen von Maria Scharapowas Aufputschmittel schießen in die Höhe - derweil verteidigt der Kreml die Tennisspielerin.

Der Fall Maria Scharapowa hat offensichtlich unmittelbar eine stark erhöhte Nachfrage nach dem Mode-Dopingmittel Meldonium ausgelöst. Eine russische Webseite, die Nahrungsergänzungsmittel vertreibt, berichtete auf Anfrage der BBC, nach dem Geständnis der Tennisspielerin seien innerhalb von 24 Stunden 150 Packungen des meldoniumhaltigen Präparats Mildronat verkauft worden - im Vergleich zu 850 im gesamten vergangenen Jahr.

Der Preis sei nun nahezu verdoppelt worden, erklärte ein Sprecher von RUPharma, sogar ein zusätzlicher Mitarbeiter werde eingestellt: "Wir nennen Mildronat hier schon scherzhaft Scharaponat."

Meist wollten die neuen Kunden das Präparat für sportliche, nicht für medizinische Zwecke einsetzen. Mildronat wird häufig bei Erkrankungen des Herzkreislaufsystems verschrieben, es hat stärkende Wirkung und verbessert den Stoffwechsel. Es ermöglicht höhere Belastungen und eine schnellere Regeneration.

Die russische Tennispielerin Maria Scharapowa hatte am Montag eingeräumt, dass sie bei den Australian Open Anfang des Jahres positiv auf Meldonium getestet wurde. Sie nehme den Wirkstoff seit 2006 gegen eine Diabetes-Erkrankung ein. Eine sehr hohe Fallzahl beim Nachweis von Meldonium im vergangenen Jahr hatte dazu geführt, dass der Wirkstoff von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) auf die Verbotsliste gesetzt wurde. Scharapowa erklärte, sie habe dies nicht mitbekommen.

Russlands Regierung hat den Dopingskandal derweil als Einzelfall heruntergespielt. "Die Situation sollte nicht so dargestellt werden, dass irgendwie ein Schatten auf den russischen Sport geworfen wird, auf die großartigen Leistungen unserer Athleten", sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow: "Wir sprechen über einzelne Athleten, Einzelfälle." Der Kreml würde den positiven Dopingfund bei Scharapowa "bedauern", sagte Peskow, man werde vom Sportministerium über den Fall "informiert". Zudem wies Peskow daraufhin, dass Russlands Präsident Wladimir Putin bereits in der Vergangenheit die Sportfunktionäre des Landes aufgefordert habe, bei jedem Dopingfall "so offen wie möglich und in enger Zusammenarbeit mit den relevanten internationalen Strukturen" zusammenzuarbeiten. Er sei "überzeugt", dass dies auch nun der Fall sei.

Zudem warnte Peskow davor, den "Sport zu politisieren, den Sport zu einem politischen Instrument zu machen, um diese oder jene Ziele zu erreichen." Dies sei "destruktiv für den Sport" sowie "inakzeptabel und unverzeihlich". Auch Sportminister Witali Mutko wollte kein systematisches Problem im russischen Sport erkennen. "Jede Situation, die aufgetreten ist, ist individuell", sagte Mutko. Man habe jetzt "kein Recht, einen Kommentar abzugeben."