Tennis Djokovic hadert mit sich selbst

"Ich habe unerklärliche Fehler gemacht": Novak Djokovic ist nach seinem Aus sichtlich frustriert.

(Foto: Adam Pretty/AFP)
  • Novak Djokovic muss bei seinem Comeback feststellen, dass er weit enfernt von der Weltspitze ist.
  • Vor allem hat der Serbe keine Vertrauen in seine Schläge, besonders in seine Rückhand, die früher sein bester Schlag war.
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Von Jürgen Schmieder, Indian Wells

Novak Djokovic ist ein ausgebuffter Tennisprofi, er hat in seiner Laufbahn bislang 940 Partien absolviert und dürfte mittlerweile mehr vergessen haben, als die meisten seiner Kollegen überhaupt je erleben dürfen. An sein erstes Match erinnert er sich aber noch, Djokovic verlor im Juli 2004 in Umag (Kroatien) 6:7, 1:6 gegen Filipo Volandri. "Die Partie heute hat sich so angefühlt wie das erste Match, das ich jemals auf der Profitour gespielt habe", sagte Djokovic am Sonntag nach der Niederlage gegen Taro Daniel (Japan): "Ich war nervös, habe keinen Rhythmus gefunden und einige unerklärliche Fehler gemacht."

Wer Djokovic in der vergangenen Woche auf der Tennisanlage in Indian Wells erlebte, der durfte durchaus den Eindruck gewinnen, dass es sich dabei zumindest um eine Annäherung an den unfasslich begnadeten Typen handeln könnte, der vor knapp zwei Jahren im Besitz sämtlicher Grand-Slam-Trophäen gewesen war und über den Rafael Nadal damals nach einer blamablen Niederlage in Doha gesagt hatte: "Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so Tennis spielt - niemals."

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Djokovic kickte einen überdimensionalen Fußball über die Rasenfläche vor dem Stadion 1, er feixte regelmäßig mit Kindern und begeisterte die Kiebitze beim Training mit spektakulären Schlägen und witzigen Einlagen. Am Sonntag allerdings spielte er in seinem Zweitrunden-Match so, dass er wahrscheinlich sogar gegen den mittlerweile 36 Jahre alten Volandri wieder verloren hätte. Er leistete sich gegen Daniel, der in der Weltrangliste auf Platz 109 geführt wird, 58 leichte Fehler, er gab im ersten Durchgang einen 5:2-Vorsprung ab und brachte mit seinen Grundschlägen bisweilen die Zuschauer in den ersten Reihe in Gefahr.

Natürlich hat Djokovic lange gefehlt und in den vergangenen neun Monaten gerade mal vier Partien absolviert - alle bei den Australian Open, wo er im Achtelfinale ausgeschieden ist. Er hat aufgrund seines lädierten Ellenbogens die Bewegung beim Aufschlag komplett umgestellt und wählt auf der Rückhandseite häufiger die defensive Slice-Variante anstatt des ansatzlosen Konters. "Auf diese Rückhand konnte ich mich in meiner gesamten Karriere stets verlassen, nun fehlt einfach das Timing", sagt er. Zudem muss er sich noch immer an das runderneuerte Team gewöhnen: Neben Andre Agassi gibt es seit Jahresbeginn noch den ehemaligen Profi Radek Stepanek sowie den Statistikguru Craig O'Shannessy - und es gibt noch den Spanier Pepe Imaz, der wahrscheinlich irgendwo zwischen Sportphilosoph und spirituellem Wesen eingeordnet werden muss.

Kaum jemand kehrt nach derart langen Pausen einfach mal so zurück auf die Profitour und gewinnt locker ein paar Partien, so was gelingt allenfalls Fabelwesen wie Roger Federer oder Serena Williams. Der Maestro aus der Schweiz gewann seine wegen Regenpause auf zwei Tage ausgedehnte Partie gegen Federico Delbonis (Argentinien) 6:3, 7:6(6) und liefert seit mehr als einem Jahr stets neue Indizien, dass Jungbrunnen doch existieren könnten. Williams erkämpfte sich nach ihrer Babypause mit zwei jeweils hart erkämpften Erfolgen ein Duell gegen ihre Schwester Venus am späten Montagabend Ortszeit.

"Ich ringe auch im Kopf mit mir"

"Ich habe nicht gedacht, dass ich nach der letzten Operation vor sechs Wochen so schnell wieder würde spielen können", sagte Djokovic am Sonntag: "Auch wenn ich keine Schmerzen verspüre, denke ich doch sehr häufig daran und ringe auch im Kopf mit mir selbst. Es ist schließlich etwas, das mich in den vergangenen beiden Jahren begleitet hat." Dazu fehle ihm nach den beiden langen, nur vom Auftritt bei den Australian Open unterbrochenen Pausen die Matchpraxis: "Ich habe, um ehrlich zu sein, auch nicht besonders gut trainiert. Und es ist dann schon ein gewaltiger Unterschied zwischen Training und offizieller Partie bei einem Turnier."

Djokovic, der im Mai seinen 31. Geburtstag feiern wird, möchte die Rückschläge und Niederlagen als Prüfung begreifen: "So ist das Leben. Gott fordert dich immer dann heraus, wenn du es am wenigsten erwartest. Er schleudert dann alles in deine Richtung." Es heißt, dass Djokovic auch abseits des Platzes Probleme gehabt habe, er will jedoch nicht darüber sprechen, und es geht auch niemanden was an. Entscheidend ist, was auf dem Platz passiert - und da war die 940. Partie in der Profikarriere von Novak Djokovic ebenso ernüchternd wie die erste.

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