Deutsches Aus bei der Frauenfußball-WM Das Glück ist aufgebraucht

Verschossen vom Elfmeterpunkt: Celia Sasic.

(Foto: USA Today Sports)

Im Stadion herrscht Lärm, als ob eine Staffel Düsenjets eine Parade fliegt: Die DFB-Elf lässt sich beeindrucken und verliert ihr WM-Halbfinale gegen die USA mit 0:2. Célia Šašić patzt ausgerechnet bei ihrer Spezialität.

Von Kathrin Steinbichler, Montréal

Am Ende blieb ein Bild. Die Szene, wie Célia Šašić mit dem Schlusspfiff ihr Trikot über den Kopf und vor das Gesicht zog. Denn der Traum der Deutschen vom dritten WM-Titel ist ausgeträumt: Die Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid verlor ihr Halbfinale gegen die USA mit 0:2 (0:0). Dabei hatte Šašić vor den Gegentreffern die große Chance zur deutschen Führung gehabt. Doch sie verschoss ausgerechnet bei ihrer Spezialität - einen Elfmeter.

Der Start war den Deutschen zunächst besser gelungen als zuletzt im Viertelfinale gegen Frankreich: Die Elf von Neid, in der wieder Saskia Bartusiak stand, die nach ihrer Gelbsperre für Babett Peter zurück in die Innenverteidigung rückte, präsentierte sich aufmerksam und zielgerichtet und kam in der dritten Minute zur ersten Ecke des Spiels. Doch der Druck, den die USA anschließend mit einer schnellen Überbrückung des Mittelfelds entwickelten, schnürte die DFB-Elf mehr und mehr in der Defensive ein.

Beim ersten Eckball der USA kam Innenverteidigerin Julie Johnston zum Abschluss, Nationaltorhüterin Nadine Angerer parierte mit einem starken Fußreflex (7.). Beim Gegenangriff geriet eine Flanke von Alexandra Popp zum Torschuss, den US-Torfrau Hope Solo über die Latte lenkte. Schon eine Minute später versuchte sich Megan Rapinoe mit einem Torschuss, der allerdings zu schwach geriet und kein Problem war für Angerer. Doch das sollte sich ändern.

Nach einer guten Viertelstunde tauchte Alex Morgan völlig frei vor Angerer auf, Tobin Heath hatte die Stürmerin mit einem simplen Steilpass in die Spur geschickt. Wieder musste Angerer in höchster Not klären, wieder nahm sie dazu den linken Fuß (14.).

Beide Seiten zeigten, dass sie gewillt waren, dem Ruf dieses Spiels gerecht zu werden: Deutschland als Weltranglistenerster gegen die USA als Weltranglistenzweite - diese Weltmeisterschaft in Kanada bekam das ersehnte Duell zweier Großmächte des Frauenfußballs, das es zuletzt 2003 bei der WM in den USA gegeben hatte. Damals gewann Deutschland und holte sich schließlich auch den Titel. An diesem Tag in Montréal aber sollte die Geschichte sich nicht wiederholen.

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Nach einer halben Stunde mussten die Spielerinnen in ihrem Bemühen um den Finaleinzug zwangsläufig eine erste Pause einlegen: Nach einer von Lena Goeßling geschlagenen Ecke rasselten Alexandra Popp und Morgan Brian am Fünf-Meter-Raum mit den Köpfen zusammen, beide blieben benommen liegen. Nach vier Minuten Behandlungspause standen beide wieder: Popp mit frisch verklebter Platzwunde, für die sie in der zweiten Halbzeit einen behelfsmäßigen Kopfverband erhielt. Auch Brian hatte sichtlich Probleme. Dennoch liefen beide wieder zum Spielen aufs Feld.

Die USA rannten danach weiter stürmisch auf das deutsche Tor, eine amerikanische Ecke jagte die andere, ständig lag Gefahr in der Luft - 6:2 Ecken hieß es nach der ersten, um vier Minuten verlängerten Halbzeit. Und Torfrau Angerer mahnte ihre Abwehr immer energischer zur Konzentration.