Debatte um Gewalt rund um Fußball Auf Konfrontationskurs zu den Fans

Lebenslange Stadionverbote, Polizeibesuche in der Wohnung, Informationen an den Arbeitgeber: Die Politik droht den Fußballfans mit harten Sanktionen. Fanbeauftragte rufen zwar zur Mäßigung der Debatte auf, doch das ist derzeit nicht sehr populär.

Von Sebastian Gierke

Es ist ein Überbietungswettkampf. Wer will nochmal? Wer hat noch nicht? Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie (CDU) zum Beispiel: lebenslanges Stadionverbot für verurteilte Fußball-Rowdys. Oder Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU): "Wer den Besuch eines Fußballstadions dazu missbraucht, Gewalttaten zu begehen, darf ein Stadion nicht mehr betreten." Oder der hessische Innenminister: Boris Rhein (CDU) will gewalttätige Anhänger künftig vermehrt mit Meldeauflagen oder Aufenthaltsverboten am Spielbesuch hindern.

Es waren vor allem die schweren Ausschreitungen von Fußball-Rowdys aus Dresden beim jüngsten Pokalspiel in Dortmund, die die Debatte über Maßnahmen gegen Gewalt bei Fußballspielen neu entfacht haben. Mittlerweile ist ein veritabler Flächenbrand daraus geworden. Auch die Sportminister befassen sich damit bei ihrer Konferenz in Weimar - und DFB-Boss Theo Zwanziger droht mit der Abschaffung der Stehplätze.

Es wird deutlich: Die betroffenen Institutionen gehen im Kampf gegen die Gewalt im Fußball auf Konfrontationskurs zu den Fans. Besonders Boris Rhein. Der hessische Innenminister kündigte "null Toleranz" an. Die Polizei werde "weit intensiver" als bisher tätig. Gewaltbereite Fans soll die Polizei vor bestimmten Partien zu Hause besuchen und ihnen erklären, dass sie besser zu Hause bleiben sollen. Über sogenannte Ausfälle minderjähriger Täter werde die Polizei Erziehungsberechtigte und Schulen informieren, bei Erwachsenen auch die Arbeitgeber.

Für Ben Vogt, Fanbeauftrager bei Eintracht Frankfurt, würde dieses Vorgehen "eine neue Qualität" darstellen. "Da werden die Daumenschrauben angezogen", glaubt Vogt und fürchtet, dass bald schärfer auf kommende Vorfälle reagiert wird.

Aussagen von Theo Zwanziger geben ihm Recht. In einem Interview mit dem Kicker kündigte der DFB-Präsident eine "noch genauere Fantrennung, stärkere Kontrollen, personalisierte Tickets bei Auswärtsspielen, aber auch eine Beschränkung oder komplette Aufgabe von Stehplätzen" an. Doch nicht nur der DFB, auch die Politik will härter durchgreifen. Der Konflikt zwischen Fans und der Staatsgewalt eskaliert, mäßigende Stimmen sind momentan nicht sehr populär.

Dass jetzt gefordert wird, den Arbeitgeber zu informieren, ist für Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der Deutschen Sportjugend ein deutliches Zeichen dafür, "wie extrem populistisch die Diskussion im Moment geführt wird". Goll spricht von Hysterie. "Die Aufmerksamkeit, die diese Fälle, auch wenn sie nicht zu rechtfertigen sind, bekommen, stehen in keinem Verhältnis mehr zur Realität. Es wird ja gerade so getan, als wäre der Fußball der letzte Ort, an dem es noch zu Gewalt kommt." Möglicherweise werde hier von der Politik aber auch eine Drohkulisse aufgebaut, so Goll. "Wer definiert denn den Hooligan und auf welcher Rechtsgrundlage wird dann ein Arbeitgeber und über was informiert?"

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