Darts-WM Deutsche machen Darts-WM zum Mallorca des Winters

"190 dumme Deutsche :)" - offenbar gut gelaunte.

(Foto: imago/Action Plus)
  • Die Darts-WM in London zieht sehr viele deutsche Zuschauer an - obwohl kein deutscher Spieler im Finale wirft.
  • Die Mischung aus Sport und Event füllt die fußballfreie Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr.
  • Um weiter zu wachsen, wünscht sich Promoter Barry Hearn einen deutschen und einen chinesischen Spitzenspieler.
Reportage von Sven Haist, London

Inmitten einer riesigen Empfangshalle sieht der eigentlich groß gewachsene Barry Hearn ziemlich klein aus. Hearn trägt einen funktionärstypischen Anzug mit feinen Lederschuhen, die so gar nichts mit den Karnevalskostümen im Publikum zu tun haben. Eine schwere Türe weiter tobt das Finale der Darts-Weltmeisterschaft, das Titelverteidiger Gary Anderson mit 7:5 gegen Adrian Lewis für sich entscheidet. Der Schotte gewinnt gegen den Engländer, aber hauptsächlich Deutsche feiern den Weltmeister. Ein Großteil der 3000 Zuschauer im Alexandra Palace in London reist extra aus Deutschland an.

Ein Grund für die Begeisterung für einen Sport, in dem kein deutscher Sportler auch nur in die Nähe des Finales gekommen ist, ist dieser Barry Hearn. "Ich bin sehr gut im Vermarkten, aber schlecht im Darts werfen", sagt Hearn. Trotz mehrmaligen Probierens habe er kein Gefühl in den Händen, um die drei Pfeile auf der 2,37 Meter entfernt stehenden Scheibe in die richtigen Felder zu befördern. Er ist trotzdem der Vorsitzende der Professional Darts Corporation (PDC) und sucht gerade jede Kamera, die er finden kann. Er verpasst einen Teil des Endspiels, aber das scheint ihn nicht zu stören.

Dart-WM: Gary Anderson siegt im Finale über Adrian Lewis

Der Schotte entscheidet die Weltmeisterschaft mit 7:5-Sätzen für sich - und verteidigt den Titel. Beide Kontrahenten waren im Finale jedoch ungewohnt nervös. mehr ...

Hearn ist Experte im Vermarkten von Nischensportarten

Eines der Gespräche beendet Hearn mit den Worten, dass Darts aktuell das heißeste Ticket sei, und dreht sich weg vom Aufnahmegerät wie Altmeister Phil Taylor, wenn er von seinen Fans für die geworfene Höchstpunktzahl 180 gefeiert werden möchte. Seine basarähnlichen Anpreisungen mischen sich mit Erzählungen darüber, als Darts noch in Kellerkneipen gespielt wurde.

Kein Adjektiv ist Hearn zu klein, um die Gunst seiner Zuhörer zu erregen. Seit Jahrzehnten verdient der Promoter mit Nischensportarten wie Bowling, Snooker oder Boxen sein Geld. Zum aktuell größten Fang des passionierten Anglers gehört Darts. "Manchmal muss ich mich selber zwicken, wenn ich sehe, wie sich das Turnier entwickelt hat. Die Spieler präsentieren Darts von einem anderen Planeten", findet Hearn.