Champions League Besiktas' furchteinflößende alte Herren

Gegen den FC Porto gewann Besiktas um Ryan Babel (r.) im ersten Gruppenspiel der Champions League 3:1.

(Foto: REUTERS)
  • RB Leipzig spielt in der Champions League bei Besiktas, das für seine heißblütigen Anhänger bekannt ist und seit 30 Spielen zu Hause nicht verloren hat.
  • Obwohl Talente fehlen, ist die Mannschaft mit bekannten Namen gespickt.
  • Der Ex-Hoffenheimer Ryan Babel ist in guter Form, in der Defensive spielt der frühere Real-Profi Pepe solide.
Von Tobias Schächter

Senol Günes gilt eigentlich als ausgleichender Charakter. So nimmt es der Trainer von Besiktas Istanbul regelmäßig mit väterlicher Gelassenheit hin, wenn ihm Ricardo Quaresma nach einer Auswechslung mal wieder den Handschlag verweigert. Der rätselhafte Portugiese mit den tätowierten Tränen unter dem rechten Auge ist mittlerweile 33 Jahre alt, aber noch immer verletzlich und unberechenbar wie ein Kind.

Am vergangenen Wochenende, im Istanbuler Derby beim verhassten Rivalen Fenerbahce, kassierte Quaresma bei der 1:2-Niederlage schon den sechsten Platzverweis in seiner Zeit in der Türkei. Mit Unterbrechungen geht der ungezügelte Flügelspieler, der wegen seiner Schnelligkeit den Spitznamen "Mustang" trägt, gerade in seine fünfte Saison. Bei Besiktas ist der Europameister der Publikumsliebling; ein Status, den er bei Großklubs wie dem FC Barcelona, Inter Mailand oder dem FC Chelsea nie hatte.

Aber Istanbuler Derbys sind emotionale Ausnahmesituationen, und in denen geht auch schon mal Trainerroutinier Günes die Gelassenheit verloren. Wegen Schiedsrichterbeleidigung wurde er auf die Tribüne geschickt, insgesamt zeigte das Schiedsrichtergespann neun gelbe Karten, je zwei Spieler jedes Teams wurden per Platzverweis vorzeitig zum Duschen geschickt. Neben Quaresma und dem kanadischen Mittelfeldhünen Atiba Hutchinson, 34, sah auf Seiten von Besiktas noch der türkische Internationale Oguzhan Özyakup, 25, nach dem Abpfiff wegen Schiedsrichterbeleidigung im Kabinengang Rot. Während des wilden Spiels flogen Gegenstände von den Tribünen, insgesamt 40 Stadionverbote wurden ausgesprochen, die Offiziellen beider Klubs wiesen sich wie üblich gegenseitig die Schuld für die Eskalation zu.

Der Manipulationsskandal verstärkte die Spannungen

Seit dem Manipulationsskandal von 2011 leidet der türkische Fußball nur noch mehr unter den Konflikten zwischen den Istanbuler Großklubs Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas. Zwar sind mittlerweile wieder Gästefans bei den Derbys zugelassen, nur beim Aufeinandertreffen von Fenerbahce und Trabzonspor ist das nicht möglich. 2011 soll sich Fenerbahce den Meistertitel erkauft haben, noch immer sind Klagen des damaligen Zweiten Trabzonspor anhängig.

Besiktas-Trainer Günes, 65, polarisiert bei Fenerbahce-Fans auch deswegen, weil er eine Trabzonspor-Vergangenheit hat. Am Wochenende coachte er provokant in einem Anzug mit Krawatte in den Vereinsfarben von Trabzon. Günes, ein Trainer, der den offensiven Fußball liebt, führte die Türkei als Nationaltrainer zu ihrem größten Triumph, dem dritten Platz bei der WM 2002. Als Vereinscoach gewann er aber erst in den beiden vergangenen Spielzeiten mit Besiktas seine beiden ersten Landesmeisterschaften.