Bundesliga-Verträge Verlorene Profis

Es ist irritierend, dass jene Papiere, unter die Klubs und Profis am Anfang ihrer Beziehung die Unterschrift setzen, weiterhin "Verträge" genannt werden. Der Begriff Optionsschein trifft es eher.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Strenggenommen sind viele Zuschauer unter Vortäuschung einer falschen Tatsache nach Sinsheim ins Stadion der TSG 1899 Hoffenheim gelockt worden. Nämlich all jene, die den Fußball weiterhin naiv als Unterhaltungsbetrieb sehen, ähnlich einem Zirkus, der ja auch Probleme mit dem Publikum bekommt, wenn plötzlich die größte Attraktion, der chinesische Schlangenmensch, aus dem Programm gestrichen wird. Bei Hoffenheim hat nun plötzlich der brasilianische Dribbelkünstler gefehlt, von dem jeder Besucher annehmen musste, dass er auch in der neuen Spielzeit Regie führen würde. Stattdessen hockte der Dribbelkünstler mit dunkler Sonnenbrille auf der Tribüne, nahm Abschied, was wiederum jenen gefallen konnte, die akzeptiert haben, dass Profifußball ein flirrendes Casino ist.

Kein Hoffenheimer hat sein Eintrittsgeld zurückverlangt. Zum einen, weil die TSG 1899 auch ohne Carlos Eduardo - der im Training die typische Unlust des Wechselwilligen gezeigt haben soll - bestens klarkam. Zum anderen wohl auch, weil auf der Tribüne schon durchsickerte, dass der Klub im Begriff war, den irrsten Transfer seiner Historie zu tätigen: für rund 20 Millionen Euro an einen russischen Oligarchen zu Rubin Kasan? Gebongt, da muss nicht erst eine Publikumsbefragung vorgenommen werden, ob der Dribbelbrasilianer vorzeitig aus dem Vertrag entlassen werden kann.

Irritierend ist nur, dass jene Papiere, unter die Klubs und Profis am Anfang ihrer Beziehung die Unterschrift setzen, weiterhin "Verträge" genannt werden dürfen. Abseits des Fußballs, im Geschäftsleben, jedenfalls dem seriöseren, werden Verträge traditionell eher im Wunsch nach gegenseitiger Erfüllung geschlossen. Im Fußball aber werden sie meist in der festen Absicht beidseitiger Nicht-Erfüllung besiegelt. Diese Absicht führt zu Skurrilitäten wie jüngst, als die Mainzer ihren Stürmer Aristide Bancé suchten. Sie fanden ihn auf der Internetseite des Al Ahli FC in Dubai, wo Bancé gerade beim Medizincheck präsentiert wurde. Inzwischen ist der Wechsel erzwungen, Mainz 05 hat die zweithöchste Ablösesumme der Historie erhalten, Bancé hat es wärmer - beide Seiten kommen irgendwie klar.

Das Publikum hat das hinzunehmen, es wird niemals gefragt, ob es bei einem wie Eduardo oder Bancé auf Bündnistreue gepocht hätte. Transparenter wäre es deshalb, die Begriffe zu präzisieren. Was beim Fußball gezeichnet wird, ist ein Finanzinstrument, ein Optionsschein, also eine Spekulation. Wer von Verträgen spricht, der vernebelt nur.

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