Bundesliga Heilig's Plänle beim VfB Stuttgart

VfB Stuttgart, deutscher Meister 1983/1984, v.li.: Karlheinz Förster, Präsident Gerhard Mayer Vorfel VfB Stuttgart, deutscher Meister 1983/1984, v.li.: Karlheinz Förster, Präsident Gerhard Mayer Vorfelder und Bernd Förster

(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Der Traditionsklub VfB Stuttgart erwägt eine neue Vereinsstruktur, die einige Vorteile haben könnte. Aber wollen das auch die Mitglieder?

Von Christof Kneer, Stuttgart

Als Trainer des Hamburger SV ist Bruno Labbadia vermutlich die Idealbesetzung. Es ist nämlich so, dass Labbadia in Hamburg "einen schweren Weg gehen" muss, weil ihm seine Vorgesetzten im laufenden Spielbetrieb ständig den Etat runterkürzen. Nicht jeder Trainer kann unter solch erschwerten Bedingungen arbeiten, Labbadia kann das, aus gutem Grund. Er hat ein auf dieses Szenario perfekt zugeschnittenes Trainingslager hinter sich. Er war zweieinhalb Jahre beim VfB Stuttgart.

Den Satz mit dem "schweren Weg" hat Bruno Labbadia in seiner Stuttgarter Zeit so oft gesagt, dass er am Ende fast nichts anderes mehr gesagt hat. Herr Labbadia, warum hat Ihre Elf heute verloren, warum haben Sie diesen Spieler heute nicht gebracht, wie wird übermorgen das Wetter? Wenn man sich richtig erinnert, dann kreisten Labbadias Antworten am Ende immer um den schweren Weg.

Einmal, in einer Pressekonferenz, hat er die Antwort mal leicht variiert, es kamen ein paar Begriffe darin vor, die mit seiner Vorbildfunktion für die Jugend womöglich nicht komplett übereinstimmten. Einer dieser Begriffe begann mit "A" und endete mit "-rsch". Diese Antwort findet man bis heute im kleinen, aber feinen Archiv der Bundesliga-Wutreden.

"Wir müssen dieses Schwäbische verlassen"

Zweieinhalb Jahre nach Labbadias Entlassung sitzt Bernd Wahler, der Präsident des VfB Stuttgart, in seinem Büro im ersten Stock der Kommandozentrale des VfB, und er sagt sehr entspannt diesen Satz, den Bruno Labbadia auf keinen Fall lesen sollte, weil er sonst einen Weinkrampf bekommt. Wahler sagt: "Wir müssen dieses Schwäbische klar verlassen, wir müssen wieder massiv in den Sport investieren."

Noch mal, zum Verständnis: Der VfB ist jetzt ein Schwabe, der wo nicht mehr sparen will.

Es muss etwas passiert sein in diesem Klub, mehr als das, was ohnehin jeder sehen kann, der dem VfB beim Sport zuschaut. Dabei war ja auch im Sport zuletzt eine Menge los, man sah eine Elf, die so lange alles verlor, bis sie plötzlich anfing, alles zu gewinnen. Aber genau darum geht es ja jetzt: Wahler und seine Mitstreiter in der Kommandozentrale wollen dem VfB die Flausen austreiben. Das Niveau von Standort, Klub und Mannschaft soll wieder verlässlich werden - auf angemessenem Niveau, nicht im Dauerabstiegskampf.

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Sie haben ein heilig's Plänle entwickelt beim VfB, und mit diesem Plänle stehen sie jetzt stellvertretend für all die Traditionsklubs in der Liga, die unter Schmerzen lernen mussten, dass Tradition keine Tore schießt, nicht mal welche verhindert. Der VfB Stuttgart, der HSV, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt: Sie alle müssen sich ein neues, trockenes Plätzchen suchen in einer Landschaft, sie sich dynamisch verändert. "Wir müssen wettbewerbsfähig bleiben" - auch diesen Satz sagt Wahler in seinem Büro, und er ergänzt, dass man sich im Angesicht der von fremden Mächten bezuschussten Wolfsburgs, Leverkusens, Hoffenheims und Leipzigs "finanziell anders aufstellen" müsse.