Die erste Saisonniederlage für Bayer Leverkusen weckt alte Vorurteile und lässt einen Absturz befürchten. Aber Häme ist völlig unangebracht.
Die Situation war schon vor dem Spiel in Nürnberg paradox. 24 Mal war die Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen ungeschlagen gewesen - ein neuer Rekord in der Bundesliga, europaweit hat das kein Erstligist in dieser Saison geschafft. Doch wie viele Menschen glaubten selbst in diesem Moment daran, dass dieses Unbesiegbarkusen auch Deutscher Meister werden kann? Ungefähr so viele wie an einen WM-Sieg der Slowakei glauben. Sehr, sehr wenige. Und das zu Recht.
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Wohin geht's? Leverkusen und Torwart René Adler vor entscheidenden Wochen. (© Foto: Getty)
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Denn dafür müsste schon viel zusammenkommen. Zuerst müsste der FC Bayern München sich selbst derart schwächen wie in der vergangenen Saison, als der immense finanzielle Vorsprung dieses Vereins durch innere Turbulenzen zunichtegemacht wurde. Danach sieht es derzeit nicht aus.
Und dann müsste Leverkusen selbst eine Saison ohne Einbruch überstehen. Dabei ist das 2:3 in Nürnberg noch nicht als solcher zu bezeichnen. Dass diese Mannschaft einmal verlieren würde, war wahrscheinlicher als ein frühes WM-Aus der Slowakei.
Jetzt lachen viele: Haha, Vizekusen, haha, die schaffen's nie! Wenn's drauf ankommt, geht ihnen die Düse! Die Häme ist historisch zwar begründet, aber heute völlig ungerecht.
Das Vizekusen-Syndrom rührt aus einer anderen Zeit, zwischen 1997 und 2002 wurde Leverkusen viermal Zweiter. Damals rüstete der Bayer-Konzern den Klub derart auf, dass er in der Geldrangliste mit der Ligaspitze aus München und Dortmund mithalten konnte. Das ist inzwischen nicht mehr der Fall.
Jetzt wird der Etat von Bayer Leverkusen etwa auf Rang sechs bis acht in der Liga eingeordnet. Spektakuläre Einkäufe sind schon lange nicht mehr möglich, der Klub stützt sich auf eine langfristige Transferpolitik, bindet früh Talente an sich. In Nürnberg standen sechs Spieler auf dem Feld mit 22 Jahren oder jünger. Dazu kommen kluge Schachzüge wie das Leihgeschäft mit Toni Kroos oder die Verpflichtung des 36-jährigen Sami Hyypiä. Der erfahrene Trainer Jupp Heynckes gibt dem Team richtige Impulse.
Mit solchen Voraussetzungen über zwei Drittel der Saison die Bundesliga zu dominieren, ist höchst beachtlich. Die Serie war ja auch noch mit schönem Fußball und spielerischer Leichtigkeit garniert.
Doch dem Modell wohnen naturgemäß Unsicherheiten inne. Nicht nur, dass Gegner wie Köln (0:0) und Nürnberg (2:3) den "Schönspielern" viel Grimm ("Räume eng machen") und schnelle Konter entgegensetzen. In der Saison-Endphase wird der Druck höher, die Psyche wichtiger, da braucht es andere Fähigkeiten als spielerische Leichtigkeit und jugendliche Euphorie.
Es folgt nun die entscheidende Phase für Bayer Leverkusen. Es folgen Duelle gegen Hamburg, Dortmund, Schalke, Frankfurt, Bayern und Stuttgart - viele Beobachter werden schon den totalen Absturz herbeireden in Erinnerung an die vergangene Saison, als Leverkusen durch eine schreckliche Rückrunde noch auf Platz neun zurückfiel. Ob die junge Mannschaft mit diesem Druck umgehen kann?
Das ist eine brisante Prüfung auch für Jupp Heynckes. Und wenn der 64-Jährige mit seiner Mannschaft am Ende Zweiter wird, dann ist nur zu sagen: Respekt, Vizekusen!
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/segi/jja)
Der Flügelflitzer
Ich freue mich über den Artikel - ok, als Leverkusen-Fan kein Wunder... aber es tut ganz gut, mal eine richtige Einordnung der Saisonleistung zu lesen.
@Stoaheba: Der Artikel ist keine Wasserstandsmeldung zum Stand der Meisterschaft, als solche wäre er tatsächlich völlig überflüssig. Aber dem Autor geht es doch um was ganz anderes. Es geht speziell um die Situation in Leverkusen und darum, dass der Vizekusen-Spott der in einigen Medien wieder anfängt, nicht gerechtfertigt ist. Mit dieser Mannschaft und dem auf mittelfristige Erfolge angelegten Konzept am Ende auf Platz 2 oder 3 abzuschliessen, ist einfach ein Erfolg. Und dass aus dem Verein keiner die Meisterschaft als Anspruch bezeichnet, ist keine Feigheit sondern einfach Zeichen einer realistischen Einschätzung trotz Erfolgswelle.
In einem Interview vor der Niederlage gegen Nürnberg hat René Adler eine kluge Differenzierung vorgenommen als er meinte "Die Meisterschaft ist unser Ziel, aber nicht unser Anspruch". Man bekennt sich doch in der Mannschaft zu dem Ziel, möglichst alle Spiele zu gewinnen. Dann wird man auch Meister. Aber aus Erfahrung mit dem Medienmechanismen vertritt man das halt nicht so aggressiv nach außen und äussert es auch nicht als Anspruch.
Der Artikel rückt das halt einfach nur ins richtige Licht und ich würde soweit gehen zu sagen, auch der 3. Platz wäre in dieser Saison ein Erfolg.
"24 Mal war die Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen ungeschlagen gewesen - ein neuer Rekord in der Bundesliga, europaweit hat das kein Erstligist in dieser Saison geschafft."
PSV Eindhoven war in der Eredivisie sogar 25 Mal ungeschlagen geblieben, bevor am vergangenen Samstag überraschend gegen Breda verloren wurde.
Ich finde, die Süddeutsche sollte den Anspruch haben, in ihren Artikeln korrekte Fakten zu liefern. Wenn solche Anfängerehler unterlaufen, kann man auf den übrigen Inhalt des Artikels auch verzichten, weil man sich fragt, was sich der Autor noch alles selbst ausgedacht hat.
Ich glaub auch, daß Schalke am Ende vor Leverkusen stehen wird. Für mich sind die schon länger, und spätestens seit ihrer derzeitigen Serie, der eigentliche Bayern-Rivale der Saison. Aber eine Zufallsmeisterschaft wie letzte Saison wird Magath nicht mehr gelingen, weil Bayern dieses Mal einen Vorsprung, einen Trainer und eine gefestigte Mannschaft hat.
hat 34 Spieltage und Bayer, Bayern und Schalke spielen noch gegeneinander bzw. gegen gute andere Teams wie Hamburg, Dortmund, Stuttgart, Bremen etc....
Insofern ist dieser Artikel ist ja gerade mal ne Wasserstandsmeldung und daher überflüssig wie ein Kropf...
Vor allem sollten wir nicht die Slowakei nicht unterschätzen!
Paging