Hilflose Bochumer steigen wieder mal ab, Trainer Wosz zeigt für die Randale der Fans gar Verständnis. Während Hannovers Spieler an ihren Torwart denken.
Der Mann heißt wie ein Scheuermittel, weil er beim Fußball so sehr kämpfte, dass er meistens völlig verdreckt in die Kabine kam. Michael "Ata" Lameck ist Rekordspieler des VfL Bochum, er stand zwischen 1972 und 1988 in 518 Erstliga-Partien für den Verein auf dem Platz. Nie stieg der mit bescheidenen Möglichkeiten ausgestattete VfL in dieser Zeit ab, und so verkörpert niemand den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga besser als "Ata".
Mehrere Hundert Fußballfans haben sich am Samstag in Bochum heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. (© Foto: ddp)
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Doch seit er aufgehört hat zu spielen, müssen die einst "unabsteigbaren" Bochumer immer mal wieder hinunter in die zweite Liga, nach der 0:3-Heimniederlage am Samstag gegen Hannover 96 schon zum sechsten Mal. Es ist aber nicht allein dieser Umstand, der Lameck nach eigener Aussage "sehr, sehr traurig" gemacht hat. "Drei Gegentore ohne Gegenwehr, das darf einfach nicht sein", klagte der Abstiegskampf-Experte, "da war zu wenig Bereitschaft bei unserer Mannschaft."
"Ata" hatte natürlich Recht - wenn einer weiß, wie man drinbleibt, dann er. Bochum präsentierte sich verkrampft und konfus, der Druck schien zu groß für diese Mannschaft. Als Mergim Mavraj in der 60. Minute der erste Schuss auf das Tor gelang, war das Spiel längst entschieden. Die aggressiver und konzentrierter auftretenden Hannoveraner hatten sich nach Treffern von Arnold Bruggink (9. Minute), Mike Hanke (23.) und Sergio Pinto (45.) bereits zur Pause in eine weitere Bundesliga-Saison gerettet.
Gegensätzlich fielen nicht nur die Darbietungen, sondern auch die anschließenden Emotionen aus. Den meisten der wie "Ata" tief enttäuschten Bochumer Zuschauern standen Tränen in den Augen, einigen aber fiel in ihrer Wut nichts Besseres ein, als Rauchbomben anzuzünden und Trikots zu verbrennen.
Manche kletterten sogar über die Zäune und liefen auf das Feld, ein Mann stieß Mavraj, ehe der von den Abwehrkollegen Marcel Maltritz und Anthar Yahia geschützt werden konnte. Zuvor hatten die Randalierer einen Ordner mit einem Plastikstuhl verletzt. Die Randalierer schleuderten Steine, Stühle, Toilettendeckel und andere Gegenstände. Insgesamt wurden nach Polizei-Angaben 66 Personen verletzt. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, um die Ausschreitungen in den Griff zu bekommen. Außerhalb des Stadions versuchten etwa 200 Personen, im Bereich der Geschäftsstelle hinter der Haupttribüne eine Polizeikette zu durchbrechen. Auch hier brachten die Ordnungshüter die Situation unter Einsatz von Pfefferspray schnell unter Kontrolle.
Nur 100 Meter entfernt feierten und tanzten Hannovers Spieler mit rund 10.000 mitgereisten Fans. "Nie mehr 2. Liga", lautete ihr Lieblingslied, sie intonierten auch "Robert Enke, du bist der beste Mann!" Zur Erinnerung an den Torwart, der im November Selbstmord begangen hatte, rollte die Mannschaft zudem ein Transparent mit der Aufschrift "Robert R.I.P" aus. Nach Spielschluss war Florian Fromlowitz, Enkes Nachfolger im Tor der 96er, weinend auf die Knie gesunken. "Das Erste, woran viele von uns nach dem Abpfiff gedacht haben, war Robert", berichtete Torschütze Bruggink später.
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