Bundesinnenminister Thomas de Maizière im Interview "Olympia muss bescheidener werden"

Bundesinnenminister Thomas de Maizière wird für die Bundesregierung zu Olympia reisen.

Bundesinnenminister de Maizière wird anders als die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident zu den Winterspielen nach Sotschi reisen. Im Interview mit der SZ mahnt er allerdings an, die Vergabekriterien zu überdenken. Außerdem kündigt der CDU-Politiker ein Anti-Doping-Gesetz an.

Von Johannes Aumüller und Christopher Keil

Unmenschlicher Umgang mit Arbeitern, Zerstörungen der Umwelt, horrende Kosten von etwa 50 Milliarden Dollar: Die Winterspiele in Sotschi (Russland), die in knapp einer Woche beginnen, stehen massiv in der Kritik. Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière, der auch für den Sport zuständig ist, fährt anders als Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Joachim Gauck oder der amerikanische Präsident Barack Obama dorthin.

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung mahnt er allerdings die Ausgestaltung der Spiele an. "Man muss Olympia wieder bescheidener machen", sagte de Maizière. Er drängt deswegen auch den neugewählten Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, hier entsprechende Schritte einzuleiten. Es sei zu begrüßen, dass sich das IOC frage, ob die Vergabekriterien noch die richtigen sind, sagte de Maizière.

De Maizière kündigt Anti-Doping-Gesetz an

Zugleich plädierte der Bundesinnenminister allerdings dafür, die Kritik am Internationalen Olympischen Komitee wegen der Vergabe der Spiele nach Russland zu mäßigen. "Es ist ziemlich leicht, eine Vergabe zu kritisieren und als Oberlehrer der Welt aufzutreten. Besser ist es, sich zunächst einmal an die eigene Nase zu fassen", sagte er. "Wir führen intensive wirtschaftliche Beziehungen mit Russland, das Thema Werte und Interessen als Spannungsverhältnis ist in jedem Feld der Außenpolitik zu haben. Wir können und sollten als Politiker vom IOC nicht mehr verlangen, als wir selber in unseren bilateralen Beziehungen zu tun bereit sind."

Mit Blick auf die nationale Sportpolitik kündigte er an, dass er sich bald um die Einführung eines Anti-Doping-Gesetzes kümmert. "Wir werden das machen", sagte er - betonte allerdings auch, dass es aus seiner Sicht dabei diverse, auch verfassungsrechtliche, Aspekte zu bedenken gebe.

Die Bundesländer forderte auf, sich an der Finanzierung der chronisch unterfinanzierten Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) zu beteiligen. "Ich halte mich an das, was mein Vorgänger entschieden hat und was so auch im Koalitionsvertrag steht: Notfalls wird der Bund dort mit Geld einspringen. Das darf aber nicht als Belobigung dafür verstanden werden, dass die Länder sich nicht an ihre Zusagen halten."

Das vollständige Interview lesen Sie in der Samstagausgabe der Süddeutschen Zeitung und in der SZ-Digital-App auf iPhone, iPad, Android und Windows 8.