Blatter und die Fifa-Wahl Es geht nur einer in die Bütt

Die Bühne leert sich: Sepp Blatter bei einer Pressekonferenz

(Foto: AFP)

Gegen Sepp Blatter tritt bei der Fifa-Wahl wohl nur ein einziger Widersacher an. Das kommt dem Fußball-Patron gelegen - denn er wird nun höchstens 15 Minuten qualvoll vor der Weltöffentlichkeit gegrillt.

Kommentar von Thomas Kistner

Zwei Dinge machen stutzig angesichts der Verwirrung über den angekündigten Rückzug zweier Kandidaten für die Fifa-Präsidentenwahl. Erstens herrscht Unruhe im Lager der Herausforderer von Fifa-Chef Sepp Blatter, zweitens: Das niederländische Blatt, das den Stein ins Rollen brachte, beruft sich auf Fifa-Quellen. Wohingegen die Uefa, die das Rennen der Herausforderer koordiniert, von der Ankündigung überrascht wurde. Das nährt den Verdacht, dass hier, wie so oft, der Fifa-Patron die Strippen zog. Blatter, 79, bastelt ja mit allen Mitteln an seiner fünften Amtszeit.

Die wird ihm ein Stimmvolk aus sport-fernen Zwergnationen von Guinea bis Guam mit klarem Votum bereiten; satte Zusatzgelder an alle (sprich: an die Kleinen ohne echten Spielbetrieb) hat Blatter jüngst ausgelobt. Das tut er natürlich als Präsident, nicht als Wahlkämpfer. Und was kann der Wahlkämpfer dafür, dass er Herr über die Fifa-Mittel ist?

Rückzug von van Praag und Figo zeichnet sich ab

Nur noch einer gegen Sepp Blatter: Kurz vor der Wahl zum neuen Fifa-Präsidenten springen der Niederländer Michael van Praag und der Portugiese Luis Figo wohl ab. Alle Hoffnung der Blatter-Gegner läge dann auf Prinz Ali bin Al Hussein. mehr ...

Vom Wahlausgang her betrachtet ist es egal, was die drei Herausforderer so treiben. Hollands Verbandschef Michael van Praag, Portugals Kicker-Ikone Luis Figo und der jordanische Prinz Ali sind chancenlos, die Frage ist nur, ob Blatter im ersten Wahlgang die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit erhält; in Runde zwei reicht jedenfalls die Hälfte plus eine Stimme.

Es gibt aber einen Grund, warum es wichtig für Blatter ist, dass möglichst wenige antreten: Beim Wahlkongress in Zürich hat jeder Kandidat 15 Minuten Rederecht. Die könnten seine Widersacher zu einer 45-minütigen Generalanklage gegen Blatters Schattenreich nutzen - und alle müssen zuhören, wie über WM-Vergaben, Nepotismus und das ramponierte Image der Fifa referiert wird: Funktionäre aus aller Welt und schlimmer, die Welt selbst. Da droht Blatter eine qualvolle Vorführung - deren peinlicher Gipfel es wäre, dass ihn sein höfisches Gefolge anschließend zum Fußballkönig kürt. Das Schauspiel müsste den verheerenden Eindruck verstärken, den informierte Teile der Gesellschaft längst haben.

Besser also, es geht nur einer in die Bütt. Was ja auch die Uefa anstrebt, wiewohl aus anderen, wahltaktischen Gründen. Sie glaubt, ein Einzelkandidat könne die Voten aller drei bündeln und damit attraktiver für jene Zauderer werden, die Blatter auch gern los wären, aber nicht bei den Verlierern sein wollen.

Darf er auf ein schönes Amt hoffen?

Insofern macht vor allem die Stoßrichtung der von Fifa-Quellen beschleunigten Auflösung des Kandidatenfelds stutzig: Übrig bleibt Prinz Ali. Der einzige im Trio, dessen Umfeld sich über Monate diskret auch dort umsah, wo Blatter bedroht werden könnte: In den grauen Geschäftsgründen rund um den Weltverband. Hier, wo es Zeugen und Dokumente gibt, mit denen sich die US-Bundespolizei FBI befasst - und nicht nur die.

Nun gibt es aber Hinweise, dass Ali nicht mehr so entschlossen gegen Blatter wirkt; er soll ihn auch getroffen haben. Es ist nur ein Szenario, wäre aber ein klassisches Blatter-Stück, wenn am Ende beim Kongress einer auf der Bühne stünde, der dem Patriarch nicht wehtut - und vielleicht auf ein schönes Amt hoffen darf?

Die Uefa, deren Chef Michel Platini den Prinzen vorgeschickt hat, sollte genau prüfen, wo der heute steht. Das Ringen mit Blatter verliert sie sowieso. Gewinn aus einer programmierten Niederlage kann sie nur ziehen, wenn ihre Kandidaten die Bühne zu einer flammenden Anklage nutzen. Am besten alle drei.