Bixente Lizarazu im SZ-Interview "Ein Innenverteidiger ist kein Außenverteidiger"

Wurde 1998 Weltmeister: Bixente Lizarazu

(Foto: imago sportfotodienst)

Bixente Lizarazu wurde mit Frankreich Weltmeister und mit dem FC Bayern Champions-League-Sieger. Im SZ-Interview wundert er sich über die Position von Philipp Lahm, warnt vor französischen Spielern, die wehtun können, und lobt die große Bedeutung von Didier Deschamps für die Équipe tricolore.

Von Javier Cáceres, Rio de Janeiro

Es gab eine Zeit - die Tage zwischen dem 27. November 2001 und dem 4. Mai 2002, da war Bixente Lizarazu aktueller Weltmeister, Europameister, Deutscher Meister, Champions-League-Sieger und Weltpokalsieger. Nach seiner Karriere als Fußballspieler surfte der ehemalige FC-Bayern-Spieler viel, dann wollte er bei den Olympischen Winterspielen im Skeleton starten. Das klappte nicht, dafür wurde er Europameister im Brazilian Jiu-Jitsu. Er hat also Ahnung - nicht nur im Fußball.

Gerade beschäftigt er sich ausschließlich mit dem Ballsport. In Brasilien ist er als Experte für einen französischen TV-Sender dabei - und für die Süddeutsche Zeitung analysiert er vor dem Viertelfinale der Franzosen (Freitag, 18 Uhr MESZ) die deutsche Taktik. Im Interview mit der SZ (Freitagausgabe) sagt der ehemalige Außenverteidiger: "Mich verwundert, dass Deutschland mit vier Innenverteidigern aufläuft. Mich verwundert das sogar sehr."

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Er könne nicht begreifen, warum Joachim Löw den seiner Ansicht nach besten rechten Verteidiger der Welt - Philipp Lahm - nicht auf diese Position setzt. "Ein Außenverteidiger muss eine sehr spezifische Rolle ausfüllen", sagt der Baske. Gerade gegen Algerien seien sehr viele Fehler in der Defensive aufgedeckt worden. "Klar, man kann auf viele Weisen gewinnen. Aber was die ganze Welt gesehen hat, ist, dass Deutschland gerade auf den Außenverteidigerposten anfällig für Fehler ist."

Die Anforderungen an die beiden Flügelspieler einer Viererkette seien völlig andere als an die Innenverteidiger. Ein Außenverteidiger "muss im Zweifel klein, in jedem Fall schnell sein, sich auch ins Angriffs- und Konterspiel seiner Mannschaft einschalten können, eine gute Technik haben, Flanken schlagen. Verstehen Sie? Ein Innenverteidiger ist kein Außenverteidiger!"

Frankreich werde seiner Meinung nach auf jeden Fall versuchen, Deutschland über die Außen anzugreifen. Kleine Spieler wie Antoine Griezmann (1,76 Meter) oder Mathieu Valbuena (1,67 Meter) könnten der Innenverteidiger-Abwehr richtig wehtun. Auch Karim Benzema lasse sich gerne auf den Flügel fallen.

Die DFB-Elf habe vor allem ein großes Offensiv-Potenzial. ("Müller gefällt mir sehr gut"). Zudem sagt der 44-Jährige, "Deutschland hat eine Beständigkeit in den Resultaten gehabt, die Frankreich fehlt. Deutschland hat eine Mannschaft beisammen, die gemeinsam viel erlebt hat, die Halbfinals und Finals gespielt hat." Darum sei die Mannschaft von Joachim Löw seiner Meinung nach der Favorit. Lizarazu glaubt, die Kritik nach dem Algerien-Spiel habe das Team noch weiter zusammengeschweißt.

Die bisher weitgehend überzeugenden Auftritte der Franzosen lägen hauptsächlich an Trainer Didier Deschamps. Mit ihm wurde Lizarazu 1998 zusammen Weltmeister. "Er macht es wirklich sehr gut. Er hat die richtigen Leute berufen, und er hat die richtigen zu Hause gelassen. Für mich ist Deschamps der Star der Mannschaft."

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Wer Weltmeister werde, sei völlig offen. Für Frankreich sei es aber erst einmal wichtig, dass es "gegen Deutschland eine Riesenpartie liefert". Das sei unabhängig vom Ergebnis eine solide Basis für das Turnier in zwei Jahren. Dann findet die Europameisterschaft in Frankreich statt.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Freitagausgabe der Süddeutschen Zeitung und in der SZ-Digital-App auf iPhone, iPad, Android und Windows 8.

Quelle: Opta Sportdaten

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