Basketball-Profi Robin Benzing "Pesic kitzelt die Stärken der Spieler heraus"

Robert Benzing (re.): Erfolgreiche Saison mit den Münchnern

(Foto: dpa)

Er ist der hoffnungsvollste Deutsche im Team der Bayern-Basketballer: Robin Benzing hat sich in dieser Saison stark verbessert. Im Gespräch berichtet er über Trainingsbesuche von Bastian Schweinsteiger, sein neues Selbstvertrauen unter Trainer Pesic und die Münchner Playoff-Hoffnungen gegen Alba Berlin.

Von Jonas Beckenkamp

Robin Benzing hat das Steuer fest im Griff, er sitzt im Auto und spricht über Basketball. Der Flügelspieler der Bayern-Basketballer zählt mit seinen 24 Jahren zu den aufstrebenden Profis in der BBL - und er ist Deutscher. Das ist in der Bundesliga keine Selbstverständlichkeit. Auch wenn sich im deutschen Basketball einiges getan hat, dominieren in den meisten Klubs immer noch ausländische Akteure das Geschehen. In München kommt der 46-fache Nationalspieler in dieser Saison auf durchschnittlich 10,5 Punkte. Unter den einheimischen Scorern liegt er damit ligaweit im vorderen Bereich.

Der 2,08-Meter-Mann hat vom Trainerwechsel bei den Bayern zu Beginn dieser Spielzeit deutlich profitiert. Seit Svetislav Pesic das Amt von Dirk Bauermann übernahm, steht Benzing meistens in der Startaufstellung des FCB. Im Interview berichtet der frühere Ulmer über seine Entwicklung und die BBL-Playoffs, die für die Münchner am Samstag um 17 Uhr mit der Partie gegen Alba Berlin beginnen.

SZ.de: Robin Benzing, Ihr Fußball-Kollege Bastian Schweinsteiger gilt als passabler Basketballer - was hat er wirklich drauf?

Robin Benzing: Er war schon öfter bei uns in der Halle und hat nach dem Training ein paar Körbe geworfen. Mir ist aufgefallen, dass er seinen Wurf stark verbessert hat. Da ist sicher noch Luft nach oben, aber er hat Talent.

Die Fußballer Ihres Vereins räumen im Moment alles ab. Blicken Sie als Basketballer neidisch auf die Kollegen?

Überhaupt nicht. Wir freuen uns für die Jungs und unterstützen sie, so gut es geht - genauso wie sie uns die Daumen drücken. Wenn beide Abteilungen erfolgreich sind, ist es am besten für den Klub. Zwischen den Sportarten herrscht ein Zusammenhalt.

Gerade dominiert der Fußball sogar politische Debatten. Es stört Sie bestimmt, dass kaum jemand über die anstehenden Basketball-Playoffs spricht...

Die Situation im Fußball ist eben sehr spektakulär. Es tut sich viel im Verein, die Mannschaft steht vor einer historischen Saison. Wir müssen damit leben, dass das enorme Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wenn bei uns am Wochenende die BBL-Playoffs beginnen, schauen die Leute auch wieder auf uns.

Das Basketball-Projekt der Bayern ist eine Herzenssache von Uli Hoeneß - fürchten Sie ein wenig um die Zukunft, falls der Präsident wegen der Steuer-Affäre zurücktreten sollte?

Dazu kann ich nichts sagen. Wie das ausgehen wird, ist für mich schwer zu beurteilen. Wir versuchen unseren Job zu machen und konzentrieren uns auf die Playoffs.

FC Bayern heißt auch: Große Erwartungen. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Daran habe ich mich schon gewöhnt. Wir müssen unsere Leistung bringen und wissen auch, dass wir gut genug sind. Wenn wir an uns glauben, lässt sich der Druck auch ausblenden.

Sie kamen über Ulm zu den Bayern - was für Unterschiede spüren Sie zwischen diesen Klubs?

Wenn wir als FC Bayern auswärts antreten, sind die Hallen richtig voll. Jeder Gegner ist doppelt und dreifach motiviert, das merken wir auf dem Feld. Für viele andere Teams ist das Duell mit uns das Spiel des Jahres, oft ist das Fernsehen live dabei. Wenn es gegen Bayern geht, ist das eben etwas Besonderes.

Bei den Fußballern sind Leute wie Schweinsteiger oder Lahm als deutsche Nationalspieler Idole. Hätten Sie nicht Lust auf eine solche Rolle?

Ich glaube, im Basketball braucht es noch etwas Zeit, bis es solche Figuren gibt. Sowas kannst Du nicht einfach planen. Ich versuche, hier gute Arbeit abzuliefern. Wenn ich eines Tages so eine Figur bin, wäre es eine große Ehre. Ich glaube, ich entwickle mich in die richtige Richtung. Darauf muss ich aufbauen.

Sie wirkten diese Saison aggressiver und willensstärker als zuvor - hat Sie das manchmal selbst überrascht?

Es liefen einfach einige Dinge besser, als Trainer Svetislav Pesic hier übernahm. Ich habe mich viel wohler gefühlt und konnte plötzlich das zeigen, was ich kann. Ich bin über diese Chance sehr froh.

Sie sagen "einige Dinge" klappen besser. Was macht Pesic anders als ihr vorheriger Trainer Dirk Bauermann?

Pesic kitzelt die Stärken der Spieler heraus, indem er uns viel Selbstvertrauen gibt. Er kennt mich gut und weiß genau, wie er mich auf dem Parkett einsetzen muss. Mir hat das sehr geholfen, um mein Spiel wiederzufinden. Auf der anderen Seite gelingt es ihm auch, meine Schwächen ein wenig zu kaschieren. Das hat mir Sicherheit gegeben.

Seit Pesic da ist, wirkt der Bayern-Basketball freier, flüssiger - fühlt es sich auch für Sie so an?

Sein Kredo ist: Die erste Entscheidung, die wir auf dem Feld treffen, ist die beste. Wer frei steht, sollte lieber werfen als zu zögern. Pesic ist ein Trainer, der intuitiven, schnellen Basketball praktiziert. Ich glaube schon, dass uns das Tempo-Spiel mehr liegt, weil wir einfach viele Spielertypen haben, denen dieser Stil entgegenkommt.

Die Saison begann für Sie schlecht, dann gab es zahlreiche Siege am Stück, zuletzt lief es wieder durchwachsen - mit welchem Eindruck gehen Sie in die Playoffs?

Natürlich gilt es jetzt, Alba Berlin zu schlagen. Das wird schwer genug, aber wir haben den Heimvorteil. Wichtig ist, dass wir konzentriert sind und uns voll reinhängen. Mit dunklen Ängsten vor dem Aus beschäftige ich mich nicht. Ich freue mich auf die entscheidende Phase, da steigt die Aufregung - das sind doch die Momente, die diesen Sport so besonders machen.

Aufregend könnte dieser Sommer auch für den Braunschweiger Dennis Schröder und den Bamberger Philipp Neumann werden, die in die NBA wollen - haben Sie diesen Traum abgeschrieben?

Die NBA wird immer ein Thema für mich bleiben. Aber derzeit habe ich es hinten angestellt. Mein Fokus ist ganz beim FC Bayern, weil ich hier meine Aufgabe sehe. Über den Rest mache ich mir irgendwann Gedanken. Aufgeben werde ich diese Hoffnung nie.