Attacke auf Duisburger Fans Rechte Hooligans mit Mafiamethoden

"Das war heute euer letztes Spiel!" Nach der Drittliga-Partie zwischen dem MSV Duisburg und Saarbrücken prügeln Rechtsradikale auf Mitglieder der Ultra-Gruppe "Kohorte" ein. Der Vorfall zeigt, wie die Rechten in Duisburg die Fanszene mit körperlicher Gewalt einschüchtern.

Von Christoph Ruf

"Für Integration, Respekt & Toleranz" - so lautete der Aufdruck eines Transparentes, das die Spieler des MSV Duisburg vor Anpfiff der Partie gegen den 1. FC Saarbrücken (3:3) präsentierten. Dem Vernehmen nach applaudierte das ganze Stadion. Knapp zwei Stunden später überfielen etwa zwei Dutzend Hooligans und Neonazis die Duisburger Ultragruppe "Kohorte", die sich für genau diese Werte einsetzt. Und das direkt am Stand des Fanprojekts, dort, wo nach dem Spiel Hunderte MSV-Fans zu ihren Fahrzeugen gehen.

"Ich gehe seit 23 Jahren zum MSV. Das war das Schlimmste, was ich je gesehen habe", sagt ein Augenzeuge: "Die haben auf eine Frau eingetreten, die am Boden lag." Der Familienvater spricht von einem "organisierten politischen Angriff". Er habe bekannte Duisburger Hooligans gesehen, aber auch "irgendwelche Nazis mit entsprechenden Shirts, die ich noch nie hier gesehen habe".

Die Angegriffenen selbst gehen ins Detail: "Mitglieder der Gruppen ,Division Duisburg' und ,Proud Generation Duisburg' attackierten unter Hinzuziehung von Mitgliedern des ,Nationalen Widerstand Duisburg' und Führungspersonen des ,Nationalen Widerstand Dortmund' unsere Gruppe auf dem Parkplatz", heißt es in einer Erklärung der "Kohorte", die seither jede weitere Stellungnahme gegenüber der Presse verweigert. Man wolle nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen, heißt es.

Keine Hass-Lieder gegen den Lokalrivalen

Die Gruppe besteht aus zumeist eher jungen Mitgliedern, die sich in den vergangenen Jahren einige Gedanken darüber gemacht haben, was der "Ultra"-Gedanke jenseits der szenetypischen Folklore beinhaltet. Natürlich basteln auch sie aufwendige Choreographien, natürlich haben auch sie zentral gesteuerte Fangesänge, doch damit hören die Gemeinsamkeiten mit einigen anderen Ultragruppen auch schon auf.

Sie haben sich beispielsweise überlegt, wie sie es schaffen können, dass die wenigen weiblichen Gruppenmitglieder angesichts der vielen Männer, die das Wort führen, zu ihrem Recht kommen. Seit man sich im Plenum melden muss, bevor man redet, werden Frauen nicht mehr so untergebuttert.

Sie singen keine Hass-Lieder gegen den Lokalrivalen Fortuna Düsseldorf, weil sie nicht einsehen, warum sie Fans beleidigen sollen, mit denen sie gemeinsam bei der Anti-Nazi-Demo in Dortmund demonstrieren. Stattdessen verweigern sie jede Kumpanei mit rechtsgerichteten Hooligans. Und damit beginnen schon die Probleme.