Argentinien im WM-Endspiel Ins Finale gequält

Nix mit Torrausch: In einem ermüdenden Halbfinale sichern Argentinien und die Niederlande mehr nach hinten, als sich Chancen zu erarbeiten. Am Ende gewinnt Argentinien dank zweier Paraden seines Torwarts im Elfmeterschießen.

Von Peter Burghardt, São Paulo

Deutschlands Fußballnationalmannschaft konnte am Mittwochabend entspannt in ihrem schönen Campo Bahía sitzen und zusehen, wie sich ihr Gegner Argentinien ins Endspiel quälte. Anders als bei Alemanhas wahnwitzigen 7:1-Gala tags zuvor in Belo Horizonte brauchten die Argentinier 120 torlose Minuten und ein Elfmeterschießen, ehe sie im Stadion Itaquerão von São Paulo am Mittwochabend 4:2 gegen die Niederlande gewannen.

In Europa war schon Donnerstag, als Maxi Rodríguez den vierten Versuch der Sieger verwandelte, Torwart Sergio Romero hatte zuvor die Schüsse von Ron Vlaar und Weslej Sneijder gehalten. Zum Unabhängigkeitsfest am 9. Juli schafften es die Südamerikaner erstmals seit 1990 wieder in ein WM-Finale, wo sie wie seinerzeit auf die für sie oft ärgerlichen Deutschen treffen, am Sonntag im Maracanã. Das Team von Joachim Löw bekommt es also nicht mit dem Strategen Louis van Gaal zu tun, sondern mit Alejandro Sabella und Lionel Messi, dem besten Fußballer der Welt. "Wir genießen das erst mal", sagt Mittelfeldmann Javier Mascherano, "sowas passiert dir nur einmal im Leben."

Tooor - ach nee, doch nicht!

120 Minuten lang belauern sich Argentinien und die Niederlande in einem mäßigen WM-Halbfinale, Louis van Gaal verrutscht auf der Trainerbank erst die Krawatte, dann die Laune. Am Ende hält Argentiniens Romero zwei Elfmeter der Holländer, seine Kollegen versenken alle vier. Das Spiel zum Nachlesen im SZ-Liveticker. mehr ...

So bizarr torfreudig wie das deutsche Schützenfest lief das Match aber nicht ansatzweise, es begann obendrein mit ein paar Schweigesekunden für am Montag in Madrid den verstorbenen Alfredo di Stefano. Die Argentinier trugen schwarze Binden, und argentinische Journalisten wurden von weiteren Trauergedanken begleitet, in der Nacht hatte sich der Verkehrstod eines ihrer Reporter in São Paulo ereignet. Trotzdem laut war wie üblich das sangesfreudige Volk aus dem Land zwischen Anden, Atlantik und Río de la Plata.

Die himmelblauweißen und orangen Farben auf dem Spielfeld erinnerten an das Finale der Diktatur-WM 1978 in Buenos Aires, damals gewannen die Gastgeber 3:1 nach Verlängerung. Diesmal lagen keine Klopapierrollen mehr auf dem Rasen wie damals, da passt die Fifa heutzutage auf, auch sind die Hosen weiter geschnitten, und beide Mannschaften wurden von enormer Vorsicht gebremst. Nach 35 Minuten hatten die Deutschen bereits 5:0 gegen Brasilien geführt, in diesem Duell passierte lange Zeit so gut wie gar nichts.

Zu den wenigen Höhepunkten der Hälfte eins gehörte ein schmerzhafter Kopfball von Argentiniens Verteidiger Ezequiel Garay und ein Freistoß von Messi, beide hielt mühelos Jasper Cillessen. Messi wurde abwechselnd von Sneijder verfolgt, Nummer 10 gegen Nummer 10, und dem genesenen Niguel de Jong, manchmal auch von fünf Mann gleichzeitig, das schränkte seine Kreise ziemlich ein. Argentiniens Schlussmann Sergio Romero boxte zweimal den Ball weg, der wackere Mascherano taumelte nach einem Kopfballduell, mehr war da nicht.

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