Anschi Machatschkala in der Europa League Brisantes Spielzeug

Samuel Eto'o: bestbezahlter Fußballer der Welt.

(Foto: dpa)

Hannovers heutiger Gegner in der Europa League ist nicht nur das Lieblingsvergnügen des sportbegeisterten Oligarchen Sulejman Kerimow - sondern auch ein hochpolitisches Projekt. Machatschkala ist die Hauptstadt von Dagestan, einer Unruheregion Russlands, in der es immer wieder zu Terroranschlägen kommt.

Von Johannes Aumüller

Samuel Eto'o hat sich im Laufe seiner Karriere viele ehrenvolle Bezeichnungen verdient. Er durfte sich "Champions-League-Gewinner" nennen und "Olympiasieger", ein paar Mal "Afrikas Fußballer des Jahres" und "Torschützenkönig der Primera Division".

Aber selbst jetzt, wo der Angreifer aus Kamerun im Alter von 31 Jahren nicht mehr bei internationalen Top-Vereinen wie dem FC Barcelona oder Inter Mailand, sondern beim russischen Klub Anschi Machatschkala spielt, ist ihm noch ein beeindruckender Titel sicher. Eto'o gilt als "bestbezahlter Fußballer der Welt". Von 20 Millionen Euro Jahresgage ist die Rede, manchmal in Euro, manchmal in Dollar, auf jeden Fall netto.

Diese Zahl sagt einiges aus über das kaukasische Oligarchen-Projekt. Der Zweitplatzierte in der russischen Meisterschaft möchte an diesem Donnerstag beim deutschen Erstligisten Hannover 96 sein 3:1 aus dem Hinspiel verteidigen und ins Achtelfinale der Europa League einziehen. Geld spielt dort keine Rolle. 2011 übernahm Sulejman Kerimow den Klub, ein Parteigänger Putins, der seine Milliarden vor allem mit der Investment-Holding Nafta Moskau verdiente.

Seitdem lockte er einige international renommierte Profis (unter anderem Lassana Diarra, Jurij Schirkow oder zuletzt den Brasilianer Willian) sowie den niederländischen Trainer Guus Hiddink, der sich derzeit mit einem geschätzten Monatsverdienst von einer Million Euro natürlich als "bestbezahlter Trainer der Welt" bezeichnen darf.

Allerdings handelt es sich bei Anschi nicht nur um das Lieblingsspielzeug eines sportbegeisterten Oligarchen, sondern auch um ein hochpolitisiertes Projekt. Machatschkala ist die Hauptstadt von Dagestan, einer der großen Unruheregionen Russlands, in der es immer wieder zu Terroranschlägen kommt. Wegen dieser Probleme leben und trainieren die Spieler auch nicht in Machatschkala, sondern in Moskau - und reisen zu ihren "Heimspielen" in der russischen Liga immer mit dem Flugzeug an.