11. Februar 2013, 22:30 Fanprotest bei Wacker Burghausen 90 Minuten Raunen

Der tiefe Konflikt zwischen Ultra-Fans sowie Klubs und Polizei hat die Drittliga-Provinz erreicht: Die Fans von Wacker Burghausen verweigern ihrer Mannschaft die Unterstützung - als Protest gegen Polizeirepression und den aus ihrer Sicht untätigen Klub. Dabei könnten die Spieler ihre Fans gut gebrauchen.

Von Nicole Werner

"Ich will nur über das Spiel reden." Georgi Donkovs Ansage ließ keine Nachfragen zu. Für eine Kommentierung des Geschehens außerhalb des Spielfelds sah er sich nicht zuständig. Gerne analysierte der Burghauser Trainer, wie seine Mannschaft die Partie gegen den 1. FC Saarbrücken 2:1 gewonnen hatte: schnelles Kurzpassspiel, aggressives Pressing in der gegnerischen Hälfte, taktischer Wechsel von zwei Angreifern auf einen Stürmer.

Von der ordentlich gefüllten Westtribüne der Wacker-Arena war allerdings 90 Minuten lang selten mehr als ein Raunen zu hören gewesen. Die sonst eifrig anfeuernden Burghauser Fans hatten die Hände in die Hosentaschen gesteckt und geschwiegen. Sie streiken.

Dabei würde, so ein dicht beschriebenes Flugblatt, jeder von ihnen "lieber voller Emotionen und Spaß in der Kurve stehen und unsere Mannschaft nach vorne peitschen". Etwas, das dem Team gut getan hätte, sagte Spielführer Josef Cinar nach der Partie: "Wenn man so knapp führt und man kommt nicht mehr so richtig hinten raus, dann ist es wichtig, dass die Fans einem Energie geben." Donkov findet auch, sein Team hätte sich die aufreibenden letzten acht Minuten sparen können - "davon habe ich Kopfschmerzen bekommen" - und vorher eine der zahlreichen Chancen zur Entscheidung nutzen müssen.

Der tiefe Konflikt zwischen Ultra-Fans auf der einen Seite sowie Klubs und Polizei auf der anderen hat längst die Drittliga-Provinz erreicht. Die Fangruppierungen protestierten gegen "totale Überwachung, Repressalien und Fehleinschätzungen". Für die Ultras Black Side herrscht "keine familienfreundliche Stadionatmosphäre" mehr.

Wenn ein 60-Jähriger mit seinem Enkel an der Hand von Polizisten kontrolliert werde, sei das abschreckend, sagt ein Mann um die 25. Auf seinen schwarz-weißen Schal zeigend, berichtet sein Kumpel, dass es an einem Spieltag in der kleinen Stadt nicht mehr möglich sei, in Vereinsfarben einkaufen zu gehen, ohne von der Polizei "bis zur Leibesvisitation" behelligt zu werden. Sie sprechen von "ausufernder Überwachung" bis vor die eigene Haustür.

Florian Hahn, Geschäftsführer des Vereins, hält entgegen, dass außer bei sogenannten Risikospielen immer gleich viele Beamte in Burghausen im Einsatz seien. Eine erhöhte Polizeipräsenz kann er nicht bestätigen. Die Fans wünschen sich Verhältnismäßigkeit. Und sie erwarten Rückendeckung vom Verein, bevor "ein klärendes Gespräch auf Augenhöhe" mit der Polizei stattfinden könne. Sauer sind sie vor allem, weil beim letzten Heimspiel gegen Borussia Dortmund II den mit einem Stadionverbot belegten Personen beider Fanszenen - insgesamt knapp 20 Leuten - der gemeinsame Aufenthalt untersagt wurde, obwohl die Ultras deren Verhältnis als freundschaftlich beschreiben.

Hahn verweist auf die Richtlinien: "Fangruppen sind zu trennen und dürfen aus Sicherheitsgründen nicht zusammenstehen." Dass der Verein den acht Wacker-Fans mit Stadionverbot überhaupt erlaubt habe, sich vom südlichen Zaun aus die Heimspiele anzuschauen, werde ihm gar nicht mehr gedankt - als sei das Zugeständnis eine Selbstverständlichkeit. Für die Fans war die Trennung der Gruppen durch Polizisten hingegen der "Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat".

Sie informierten Donkovs Team, dass sie es nicht anfeuern würden - aus Protest gegen die Polizeirepression und den aus ihrer Sicht untätigen Klub. Der verärgerte Verein untersagte den Personen mit Stadionverbot daraufhin, das Gelände überhaupt zu betreten. In anderen Städten - etwa in Saarbrücken - bekämen solche Anhänger sogar "Stadtverbot", erklärt Hahn: "Wir lassen uns nicht erpressen."

So fiel der Jubel nach den Burghauser Toren von Josef Cinar und Maxi Thiel diesmal kurz und verhalten aus. 90 Minuten lang schallten nur das Getrommel und die Anfeuerungsrufe der 30 mitgereisten Saarbrücker Anhänger über den Platz.