Zugreise Mode-Mord im Orient-Express

Johnny Depp - gut gekleidet - bei "Mord im Orient-Express".

(Foto: AP)

Wer im legendären Luxus-Zug reist, sollte viel Wert auf seine Garderobe legen. Sonst lernt man Steward Wolfgang Eipeldauer schnell kennen - auf die angenehme Art.

Von Hannes Vollmuth

Es war im Herbst vor zwei Jahren. Der Tag war grau und kalt. Die Kleiderwahl hatte heute etwas gedauert, was nicht am Wetter lag. Die Füße steckten in feinen Schuhen, den feinsten, die man besaß. Dazu ein elegantes Hemd, schwarz. Nur nicht negativ auffallen, nicht in der Bar des Orient-Express. Vergebens. Kaum war man vom Steward, weiß behandschuht und mit ausgesuchter Höflichkeit, an Bord willkommen geheißen, klopfte es an der Kabine. Wolfgang Eipeldauer reichte einen neuen Anzug herein.

Der Venice Simplon-Orient-Express ist nicht irgendein Zug. Er ist der König der Züge, und so sehr mit Mythos aufgeladen, dass man sich schon fragt, ob man dort überhaupt noch die Zähne putzen darf. Damals, 2015, sollte man für den Reiseteil der Süddeutschen Zeitung über die Bar des Orient-Express schreiben. Aber es blieben vor allem zwei Dinge in Erinnerung. Dass man dem US-Regisseur Wes Anderson im Zug begegnet war. Und dass es da diesen Steward gab. Eigentlich ein Kunsthistoriker, ein Österreicher, der in Paris lebte und sechs Sprache sprach: Wolfgang Eipeldauer.

Wolfgang Eipeldauer spricht sechs Sprachen und interessiert sich für den Buddhismus - und vor allem für Menschen in Zügen.

(Foto: Privat)

Es gibt Menschen, die vergisst man nicht. Wolfgang Eipeldauer ist so ein Mensch. Eineinhalb Jahre später wurde bekannt, dass Kenneth Branagh an einer Neuverfilmung von Agatha Christies "Mord im Orient-Express" arbeitete. Die Gelegenheit, Wolfgang Eipeldauer endlich all die Fragen zu stellen, die einem seit zwei Jahren beschäftigten: Warum dieses anachronistische, langsame Reisen durch Europa? Ist das Weltflucht? Wie wird man eigentlich Steward in diesem Zug? Und: Was würde Eipeldauer tun, wenn jemand in Jogginghosen zum Dinner käme?

Früh um sieben stand man also in diesem Sommer am Gare de L'Est in Paris und wartete auf die nachtblau-goldenen Waggons. Und natürlich auf Wolfgang Eipeldauer, der wenig später in eine mit Mahagoni und Art déco verzierte Kabine führte, Kaffee bringen ließ und die Beine elegant übereinander schlug. Dann setzte Eipeldauer, 42, einen auffordernden Blick auf, während der Venice Simplon-Orient-Express, wie der Zug des Unternehmens Belmond heute offiziell heißt, in Richtung Calais losratterte.

Eigentlich hatte er Kunstgeschichte studiert, in Basel, erzählte Eipeldauer. Dann aber zog er nach dem Studium nach Paris, arbeitete zuerst für die Deutsche Bahn, bis er 2006, bei einem Abendessen, einen Mann kennenlernten. Der Mann sagte, er würde als Steward im Venice Simplon-Orient-Express arbeiten. "Sofort hatte ich Bilder im Kopf", sagte Eipeldauer, "Agatha Christie, Mord im Orient-Express, Glamour."

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