Visafreiheit Deutsche besitzen die mächtigsten Reisepässe der Welt

Der bordeauxrote Pass mit dem goldenen Bundesadler gilt als der mächtigste der Welt.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • 177 Länder lassen sich laut "Visa Restrictions Index" mit einem deutschen Reisepass visafrei bereisen - so viele wie mit keinem anderen Pass.
  • Grund dafür sind unter anderem die guten außenpolitischen Beziehungen, die Deutschland unterhält.
  • Die geringste Reisefreiheit haben demnach Menschen mit Pässen aus Afghanistan, Pakistan oder Irak.
Von Vivien Timmler

Meist genügt ein einfacher Stempel in den Reisepass: Vollkommen unbürokratisch verleiht dieses kleine, unscheinbare Siegel dem Besitzer das Aufenthaltsrecht in einem anderen Land, mal für zwei Wochen, mal für 30 Tage, manchmal sogar noch länger. Warteschlangen, Passkontrollen oder aufwendige Visabeantragungen - das sind deutsche Urlauber nicht gewohnt.

Und das ist kein Wunder: Der deutsche Reisepass ist der mächtigste Reisepass der Welt. 177 Länder lassen sich mit ihm visafrei bereisen - mehr als mit jedem anderen, wie aus dem jährlich erscheinenden "Visa Restrictions Index" der Beratungsfirma Henley & Partners und der International Air Transport Association (Iata) hervorgeht.

Das Beratungsunternehmen erstellt die Studie mittlerweile im zehnten Jahr in Folge und hat dafür in diesem Jahr zum 1. Januar 2016 die Reisefreiheit von insgesamt 199 Nationalitäten und Reisepässen analysiert. Deutschland erreichte erstmals 2014 mit 174 Ländern den ersten Platz, musste sich diesen damals allerdings noch mit Finnland, Schweden, Großbritannien und den USA teilen. Im vergangenen Jahr war Deutschland dann nur noch gemeinsam mit Großbritannien Erstplatzierter, damals mit visafreiem Zugang zu 173 Ländern.

Die Mongolei macht den Unterschied

In diesem Jahr trägt Deutschland den Titel "bester Reisepass" erstmalig alleine, jedoch ohne nennenswerten Vorsprung vor den meisten anderen europäischen Ländern. Mit einem schwedischen Reisepass beispielsweise lässt sich lediglich ein Land weniger ohne Visum bereisen als mit einem deutschen: die Mongolei. Deutsche Staatsbürger benötigen dort seit dem 1. September 2013 für sogenannte "kurzfristige Besuchs- oder Geschäftsaufenthalte von maximal 30 Tagen" kein Visum mehr.

Aber auch in den anderen europäischen Ländern muss sich niemand ernsthafte Sorgen um seine Reisefreiheit machen, denn mit den meisten europäischen Pässen lassen sich 170 Länder oder mehr bereisen. Lediglich die neueren Mitgliedsstaaten können ihren Bürgern noch nicht die gleiche Reisefreiheit garantieren: Kroatien, das der EU im Jahr 2013 beitrat, ermöglicht seinen Bürgern visafreien Zugang zu 149 Staaten; Rumänien und Bulgarien, deren Beitritt im Jahr 2007 erfolgte, zu 153 Ländern.

Dass mitteleuropäische Staaten wie Italien, Spanien oder die Niederlande im Ranking hinter Deutschland liegen, hängt jeweils nur von den außenpolitischen Beziehungen zu einzelnen Ländern ab. So müssen italienische Staatsbürger beispielsweise ein Visum beantragen, wenn sie nach Ruanda reisen möchten und für holländische oder schweizerische Bürger ist die Einreise nach Vietnam ohne ein Visum nicht möglich, wohingegen Deutsche sich dort bis zu 15 Tage frei aufhalten dürfen.

Besonders eingeschränkte Reisefreiheit in Afghanistan, Pakistan und Irak

Reisefreiheit in diesem Umfang wird aber längst nicht den Bürgern jedes Landes gewährt. Am Ende der Liste finden sich vor allem Krisenstaaten: Afghanistan belegt mit 25 visafreien Reiseländern den letzten Platz, und das seit sieben Jahren. Ähnlich eingeschränkt sind die Besitzer eines pakistanischen (29 Länder), eines irakischen (30 Länder) und eines somalischen Reisepasses (31 Länder).

Der Index spiegelt demnach die diplomatischen Beziehung zweier oder mehrerer Staaten zueinander wider. Sind Herkunftsland und Einreiseland verfeindet oder gar im Kriegszustand, so ist es logische Konsequenz, dass sich die Reiseeinschränkungen auch auf verbündete Staaten ausweiten. Länder hingegen, die sich in Gebieten wie dem Schengen-Raum befinden, stehen als Gemeinschaft gebündelt an höherer Stelle.

Warum die EU mit Visa-Erleichterungen für die Türkei hadert

Spätestens Ende Juni würden sich seine Landsleute frei im Schengen-Raum bewegen, sagt der türkische Premier. Doch was, wenn plötzlich Tausende Kurden fliehen und Asyl beantragen? Analyse von Thomas Kirchner, Brüssel, und Mike Szymanski, Istanbul mehr ...