Von Daniela Dau

Passagiere dürfen nicht mehr in Gruppen im Flugzeug stehen: Die Anweisung einer US-Behörde reglementiert die Bewegungsfreiheit von Fluggästen - nicht die einzige Neuerung im Auftrag der Sicherheit.

Seit Mitte Oktober diesen Jahres müssen sich Passagiere auf dem Weg in die USA mit einer neuen Regelung für das Verhalten an Bord arrangieren. Eine Anweisung der zuständigen US-Behörde Transportation Security Administration (TSA) besagt, dass sich Passagiere vor dem Start und während des Fluges nicht innerhalb der Flugzeugkabine und im Speziellen nicht im Bereich der Waschräume versammeln dürfen. Flugbegleiter aller Airlines im Flugverkehr mit den USA müssen dieses emergency amendment mittels Borddurchsagen oder persönlicher Ansprache publik machen: "Advise passengers, prior to departure and as necessary during the flight, not to congregate in any area of the aircraft cabin, especially around lavatories", heißt es im TSA-Dokument.

Anzeige

Offensichtlich hapert es in der Anfangsphase der neuen Anweisung aber mit der Umsetzung: Lufthansa-Passagiere hatten selbst nach der Information durch die Flugbegleiter den Eindruck, dass ihnen das Aufstehen während der gesamten Dauer des Fluges untersagt sei - mit Ausnahme des WC-Besuchs. Lufthansa-Sprecher Jan Bärwalde widerspricht auf sueddeutsche.de: "Das Aufstehen ist den Passagieren weiterhin erlaubt und natürlich dürfen sie sich auch während des Fluges die Beine vertreten, etwa um Thrombosen vorzubeugen."

Die Crux liege in der undeutlichen Formulierung seitens der Behörde TSA, die jegliche Gruppenbildung in der Flugzeugkabine untersage. "Doch ab wann sind genug Passagiere beinander, um eine Versammlung zu bilden", fragt sich nicht nur der Lufthansa-Sprecher ratlos, "ab zwei Personen?" Auch der Zuwachs an Sicherheit erschließe sich nicht unmittelbar aus der TSA-Ansage. Begründet würden solche Anordnungen nie. Und den Airlines bleibt keine andere Wahl, als sie umzusetzen.

Konfliktlösung im Gespräch

Es gibt keinen Sanktionen-Katalog, wie sich Lufthansa-Flugbegleiter im Falle der Zuwiderhandlung verhalten sollen. Sprecher Bärwalde glaubt allerdings, dass man zum Beispiel während Nachtflügen schlaflose Passagiere, die sich auf einen Plausch in der Nähe der Bordküche aufhalten, mit einem freundlichen Hinweis zur Rückkehr zum Platz bewegen kann - so wie andere Konfliktsituationen auch gelöst würden. Die TSA verweist darauf, dass sich bei verdächtigem Passagierverhalten Sky Marshalls einschalten könnten. Wann und auf welchen Flügen diese eingesetzt werden, wird den Airlines nur kurzfristig bekanntgegeben.

Die Versammlungs-Regelung gilt solange, bis sie von der TSA widerrufen wird - übrigens genauso wie die Bestimmung, die nach dem versuchten Bombenattentat im Dezember 2009 auf einem Flug von Amsterdam-Shiphol nach Detroit eingeführt worden ist. Eine Stunde vor der Landung haben Passagiere auf ihren Plätzen zu verbleiben und sollten keine Decken, Kissen oder Taschen auf ihrem Schoß halten.

Eine weitere Neuerung im US-Reiseverkehr lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Ablehnung seiner Flugbuchung rechnen.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 5 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Zwei sind einer zu viel
  2. Secure Flight Program
  3. ESTA-Registrierung
  4. APIS-Formular
  5. Reisedokumente
Leser empfehlen