Trinkgeld Danke, bitte!

Früher gaben Urlauber Trinkgeld, wenn sie mit einem Service zufrieden waren. Freiwillig. Heute werden sie oft mit mehr oder weniger sanftem Druck zur Kasse gebeten. Verbraucherschützer vermuten dahinter Methode.

Von Sven Weniger

Die Reise mit dem Nostalgiezug durch Afrika kostet mehr als 12.000 Euro. Die Antarktis-Luxuskreuzfahrt schlägt mit 8000 Euro zu Buche. Wer durch die Anden kraxeln will, ist bei einem guten Trekkingveranstalter schon mit rund 4000 Euro dabei. Natürlich pro Person, doch immerhin mit allem Drum und Dran: Transport zu Land, Luft und See - ein Komplettpreis, mit dem sich klar rechnen lässt. Oder doch nicht?

Fast unbemerkt haben sich in den vergangenen Jahren Extrakosten in die Angebote der Reiseveranstalter geschlichen. Sie werden im Katalog meist nicht erwähnt. Dennoch muss der Urlauber fest mit ihnen rechnen, auch wenn sie zunächst kaum kalkulierbar sind: Trinkgelder.

Wer früher im Urlaub mit einem Service zufrieden war, sei es im Restaurant, Hotel oder bei der Stadtführung, drückte dem Kellner, Portier und Guide gegenüber seine Anerkennung durch einen Obulus aus, individuell und freiwillig, ein kleines Dankeschön, mehr nicht. Das ist vorbei, vor allem bei Pauschalreisen, die fast 50 Prozent des Tourismusmarkts ausmachen und unterschiedlichste Dienstleistungen bündeln. Die zusätzlichen Ausgaben entstehen also ausgerechnet dort, wo eigentlich schon der Begriff ein Urlaubspaket zum Festpreis verspricht.

Zehn bis 15 Euro Trinkgeld pro Person und Tag

Kommen nach der Buchung die Reiseunterlagen ins Haus, greifen viele Veranstalter ein weiteres Mal in die Taschen ihrer Kunden. Dabei ist es egal, ob es sich um vermeintliche Schnäppchenangebote handelt oder solche aus dem obersten Preissegment.

Ob Nostalgiezug, Luxuskreuzfahrt oder Anden-Trekking: Man solle schon zehn bis 15 Euro Trinkgeld pro Person und Tag veranschlagen, liest der verblüffte Kunde: für Busfahrer, Zimmermädchen, Küchenpersonal und Gepäckträger; lokale Fremdenführer seien ebenso zu bedenken wie der Reiseleiter, der, besonders pikant, immerhin der offizielle Repräsentant des Veranstalters selbst ist, dessen Leistung ja bereits bezahlt wurde.

Da wird mit Handlungsrichtlinien nicht gegeizt, etwa welche Servicekraft wie viel bekommen sollte und wie man die genaue Zahl der Urlaubstage berechnet, die mit Trinkgeld zu honorieren seien. So erhöht sich der Preis für eine zweiwöchige Reise schnell um 150 bis 250 Euro.