Taxi-Streit in New York Yellow Cabs gegen Black Cabs

Das berühmte Yellow Cab ist in einer ernsthaften Krise, auch einer ästhetischen. Nach und nach wird es unbequemer, die schwarz lackierte Konkurrenz dadurch beliebter. Das gelbe Wahrzeichen New Yorks als Auslaufmodell? Der Streit sagt viel über den Umbruch in der Stadt.

Von Peter Richter, New York

Sian Green aus England, 23 Jahre alt, hatte sich so sehr auf ihre erste Reise nach New York gefreut, dass sie auf Instagram einen Countdown runterzählen ließ. Dazu die üblichen Sehnsuchtsbilder: Straßenschluchten voller Yellow Cabs. Und dann kam das alles tatsächlich ein bisschen schnell und anders als geplant auf sie zu. Gleich an ihrem ersten Tag, auf dem Gehweg vor dem Rockefeller Center, wird Green von einem Taxi überfahren, der jungen Frau wird ein Bein abgetrennt.

Der Fahrer, ein junger Mann aus Bangladesch, war die Sixth Avenue hochgerast, hatte einen Fahrradboten bedrängt, dieser hatte nach der herzhaften New Yorker Art dem Taxi kurz zur Besinnung mit der Faust auf den Kotflügel geklopft, das wiederum brachte den Fahrer in Rage, "Road Rage" heißt das in Amerika, es gibt in den Fahrschulen eigene Lehrfilme dagegen, er gibt jedenfalls Gas, schneidet den Fahrradkurier, verliert die Kontrolle, fliegt über eine Betonabsperrung - und trifft auf Sian Green.

Das Ganze wäre nur eine tragische Lokalnachricht, wenn es nicht in jeder Hinsicht so absolut und deprimierend typisch wäre. Eines der weltweit bekanntesten Wahrzeichen New Yorks, das gelbe Taxi, ist in einer ernsthaften Krise. Diese Krise hat eine ästhetische Ebene, eine wirtschaftliche, eine soziale, eine ökologische und eine, die mit dem Wunsch nach Unversehrtheit von Leib und Leben zu tun hat. Und diese Krise erzählt auch etwas über die frappierende Umwertung aller Werte in einer Stadt, der ihre Werte eigentlich heilig sind.

Es hat hier zum Beispiel einmal Zeiten gegeben, als man sich ein Taxi rief, weil einem das Laufen zu unsicher war. Heute ist das Laufen unsicher wegen der Taxis. So hoch die Häuser, so gelb die Straßen - die Yellow Cabs haben sich in die Ikonografie der Stadt eingebrannt, seit ihnen in den Sechzigern, der guten Sichtbarkeit wegen, ihre Farbe verpasst wurde. Überforderte und übermüdete Fahrer ohne Ortskenntnisse gehörten zwar auch schon zum Gesamtbild, seit in den Siebzigern vor allem Immigranten den als gefährlich geltenden Job übernahmen.

Heute kann man aber schon froh sein, wenn man nur eine nach hinten guckende Plaudertasche erwischt, wie sie Armin Mueller-Stahl in Night on Earth spielte, oder eine zwar tickende, dem Geschehen aber wenigstens aufmerksam folgende Moralbombe wie Robert De Niro in Taxi Driver. Und nicht jemanden, der, mit den Gedanken noch ganz in Dhaka zu Hause, während der Fahrt in seinem Navigationssystem herumhämmert, um den Weg von der 10. zur 20. Straße zu finden. Und auf Höhe der 15. dann die Nerven verliert.

Robert De Niro saß aber auch noch in einem Checker Car, Armin Mueller-Stahl in einem Chevrolet. War es ein Caprice? Ein bisschen betagt war das Modell, aber: geräumig. Die bedauernswerten Bangladescher hingegen sitzen eingepfercht in absurd engen und auch absurd unansehnlichen Vehikeln, wo es überhaupt kein Wunder ist, dass sie die Nerven verlieren. Chauffeure von Stretch-Limos hat man noch nie die Nerven verlieren sehen.