Reisen in Afrika: Äthiopien "Kamele mögen keine Kameras!"

Wer den Süden Äthiopiens bereist, trifft auf abergläubische Kameltreiber, Frauen mit untertellergroßem Lippenschmuck - und beißt in falsche Bananen.

Wer nach Äthiopien reist, hat Bilder von großartigen Monumenten im Kopf: Die Stelenfelder von Axum oder die in den Fels gemeißelten Kirchen von Lalibela sind weltberühmt. All das gibt es im Süden Äthiopiens nicht. Stattdessen bekommt der Reisende untertassengroße Hängelippen zu sehen und Brot aus falschen Bananen zu essen.

Das riesige Gebiet mit Savanne und Bergen südlich der Hauptstadt Addis Abeba hat dem Besucher einiges zu bieten: Nationalparks, eine faszinierende Tierwelt und vor allem außergewöhnliche Menschen.

"Bakschisch wirkt Wunder"

Am Omo Fluss wohnen die Stämme der Konso, Banna, Hamer und Mursi. Ihre Lebensweise scheint sich seit Jahrhunderten kaum geändert zu haben, sanftem Tourismus gegenüber sind sie meist aufgeschlossen.

Jetzt aber droht ein Kameltreiber wütend mit dem Stock. Ein Tourist hat aus seinem Geländewagen ein Foto gemacht, ohne zuvor um Erlaubnis zu fragen. Die Kamele könnten wegen des Fotos "keine oder nur saure Milch geben. So denkt der Karawanen-Chef", erläutert Fahrer Alemayew Worku und lacht. "Das nächste Mal stoppen wir und plaudern. Ein kleines Bakschisch (Trinkgeld, Anm. d. Red.) wirkt oft Wunder. Dann gibt es auch bessere Milch und mehr Fotos."

Äthiopien ist bitterarm. Die meisten Menschen haben keine 100 Euro im Monat zur Verfügung. Dennoch gilt das Land, das etwa 80 Millionen Einwohner zählt und dreimal so groß ist wie Deutschland, in Afrika als recht sicheres Reiseziel. Nur auf Reisen zur Grenze nach Eritrea und Somalia sollten Urlauber besser verzichten, rät das Auswärtige Amt.

Je weiter es nach Süden geht, desto grüner wird es. Am Wenchi Kratersee, fast drei Autostunden von Addis Abeba entfernt, sprießen Bohnen, Mais und Bananen. Doch nur wenige der gelben Staudenfrüchte sind süße Essbananen: Hier und da finden sich Kochbananen, doch meistens erwischt man falsche Bananen mit fransigen Blättern.

"Die falschen Bananen sind unser täglich Brot", erklärt eine Bäuerin, die grüne, weiche Rinde von den Stämmen schält. Die Fladen sind nahrhaft, weich wie Kuchen und schmecken süß-sauer.

"Zum Glück haben viele Bauern ein zweites Standbein", sagt Ato Kebede, der den Frauen zuschaut. Er hat hier in Wenchi mit Leuten aus den nahen Dörfern und Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ein nachhaltiges Tourismusprojekt aufgebaut: Mehr als 150 Einheimische verdienen sich ein Zubrot als Führer, Fahrer und Pferdevermieter. Geboten werden Dorfleben, Reiten, Bootsfahren, Wandern, Vogelbeobachtung, die Möglichkeit zur Übernachtung in Gästehäusern und Privatquartieren - beschauliche Tage mit "African Feeling".

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