Mitten in AbsurdistanWeckruf ohne Vorwarnung

Wie die chinesische Regierung liebevoll mit ihrem Feinstaub umgeht, wer angesichts eines 50-Millionen-Dollar-Diamantenraubes ruhig bleiben kann und unter welchen Umständen nächtliche Ruhestörung zum Schmunzeln anregt.

Mitten in Absurdistan – Mitten in ... Peking

Zum Frühstück gab es wieder Smog. Die gruselige Inhalieren-am-Auspuffrohr-Variante. Dickes Grau, da wo sonst Häuser stehen. Dann kam der Wind. Gott sei Dank, dachten wir. Dann kam noch mehr Wind. Der Wind war stachelig, im Mund knirschte es. Zum Mittagessen gab es also Sandsturm. Dickes Gelb, da wo sonst Häuser stehen. Tatsächlich, der März ist da: Jedes Jahr von März bis Mai regnet es Wüste auf Peking. Am selben Tag die Meldung: Die Regierung sucht einen Namen für die tödlichen Feinstaubpartikel, die hier bisher unter dem internationalen Kürzel "PM2.5" bekannt sind. Ein Festtag für die Netzgemeinde. "Pekinggrau" und "Staatsgeheimnis" waren frühe Vorschläge. Meine Favoriten sind die mit einem Seitenhieb auf Pekings Propaganda: "Harmoniestaub" und "Glücksteilchen mit chinesischen Besonderheiten".

Kai Strittmatter, SZ vom 02.03.2013

Bild: dpa 1. März 2013, 16:582013-03-01 16:58:00 © SZ/cag