Ko Phing Kan in Thailand Die 007-Insel

James Bond ist ein Mann von Welt, der in dieser gerne reist - und mit jedem neuen 007-Film wächst schlagartig die Liste beliebter Urlaubsziele. Doch nirgends sind die Folgen so groß wie im Süden Thailands auf Ko Phing Kan.

Eine Reportage von Peter Linden

Dass es später am Strand keinen Dom Perignon, Jahrgang 1964, geben wird, ahnen Tosabhon Matawongsas Gäste ja vielleicht schon, als sie an Bord der zweimotorigen Rayavadee Great White steigen. Wie an jedem Morgen legt sich ein schwülwarmer Schleier über das Städtchen Krabi im Süden Thailands, und der 26-jährige Kapitän der hoteleigenen Yacht ist vor allem damit beschäftigt, genügend Mineralwasser an Bord zu schleppen. Gleich wird er seine Power-Motoren starten, und los geht die Exkursion nach Ko Phing Kan - eine Insel, die Millionen in aller Welt ausschließlich unter ihrem Beinamen kennen: James Bond Island.

Fotostopp mit Felsennadel: Nach dem Bond-Felsen geht es zum Bond-Strand und vorbei an 40 Schnickschnackbuden, die sich wie eine Schlange aus Holz und Stoff durch die Topografie des Bond-Inselchens Ko Phing Kan windet.

(Foto: iStockphoto)

Es war 1974, als es in der Phang Nga Bay zu einem der folgenschwersten Duelle der Filmgeschichte kam. Ein schneeweißes Wasserflugzeug näherte sich dem Inselchen Ko Phing Kan und der 30 Meter hohen Felsnadel, die sich dort überaus pittoresk aus einer kleinen Bucht erhob. Das Flugzeug umkreiste hängende Klippen, es touchierte tropische Bäume, es nahm Kurs auf einen schneeweißen Strand. "Sollen wir uns da einschalten?", krächzte die Küstenwacht durchs Telefon. "Nein, unternehmen Sie gar nichts", antwortete der schneeweiß gekleidete Inselbewohner. "Ja, es ist ein Gast, den ich erwarte. Nein, er fliegt nicht wieder weg." Es kam, was kommen musste. Seither ist in der Gegend nichts mehr, wie es war.

Die Rayavadee Great White hat Fahrt aufgenommen. Mit 70 Stundenkilometern fliegt sie über ein zartes Relief aus sanften Wellen, der Wind meint es gut mit Tosabhon Matawongsa und seinen Gästen. Und wie es sich gehört für eine delikate, touristische Mission, jagt die Yacht schon nach wenigen Minuten vorbei an der Wochenend-Residenz des Königs Bhumibol Adulyadej, in Thailand auch bekannt als RamaIX. Ferngläser werden gezückt, Bewegungen ausgemacht, und lockte nicht eineinhalb Stunden entfernt ein noch viel geheimnisvollerer Ort - die Besatzung der Rayavadee Great White würde ihren Kapitän womöglich zwingen, versteckt unter Mandelbäumen heimlich den Anker zu werfen und auf Beobachtungsposten zu gehen.

Sie lockt, die 30 Meter hohe Felsnadel, mehr als je ein anderer Fels der Filmgeschichte. Noch ehe James Bond alias Roger Moore mit seinem Flugzeug auf den Strand glitt, hatte sie sich den Kinobesuchern auf immer eingebrannt: das schlanke, beinahe zerbrechliche Fundament, angenagt vom Wechselspiel aus Ebbe und Flut, und darüber der sich langsam ausweitende Turm aus Kalk, aus dessen Rissen und Furchen Bäume und Büsche sprossen.

"Achten Sie auf den Felsen da drüben", sagte Francisco Scaramanga alias Christopher Lee zu seinem Gast James Bond, "der aussieht wie ein Penis, wie eine Morchel!" Dann fuhren plötzlich monströse Sonnenkollektoren hervor, des Bösewichts "Monopol auf die Kraft der Sonne".

Auf Tosabhon Matawongsas Yacht fährt die Felsnadel mit, auf Prospekten, die einen "nie zuvor gesehenen Ausflug" versprechen, und im Gedächtnis der Reisenden, die beständig den Horizont nach verdächtigen Formen absuchen. Ein ermüdendes Unterfangen, denn Ko Phing Kan ist keineswegs die einzige von einer steinernen Morchel bewachte Insel.

Aus der Ferne sehen die Inseln oft aus wie auf der Wasseroberfläche festgeklebte Dschunken, mit schlankem Rumpf und massivem Deckaufbau, an den Seiten Kalkzapfen wie erstarrte Taue. Doch sobald ihnen die Rayavadee Great White nahe kommt, verwandeln sich die Dschunken zurück in Inseln mit üppiger Vegetation, menschenleeren Stränden, Grotten, Höhlen und engen Zufahrten zu kreisrunden Lagunen. Die Bucht von Krabi ist voll von Bösewichtverstecken, Rückzugsorten, Orten der Verbannung, des Grauens, Hippie-Dorados, Honeymoon-Paradiesen.