Zweitstimmenkampagne der FDP Die kleinen Merkels

Zweitstimme FDP - das ist also die finale Botschaft der Freien Demokraten. Doch eines drückt sie sicher nicht aus: Stolz und Selbstbewusstsein. Vielmehr ist sie das konsequente Finale dieses FDP-Wahlkampfs. Kleiner kann sich die Partei nicht mehr machen.

Ein Kommentar von Stefan Braun

Jetzt also die Zweitstimme. Sie soll es richten für die Liberalen. Sie ist Strategie, Programm und Rettungsring in einem. Seit zwei Wochen steht der Begriff auf den Großplakaten. Seit der Niederlage in Bayern prangt er gar zweimal neben dem Bild des Spitzenkandidaten. Zweitstimme FDP - das ist also die finale Botschaft der Freien Demokraten. Keine Frage, das ist nicht verboten. Es ist der Partei der Freiheit freigestellt, so zu handeln. Nur eines drückt das sicher nicht aus: eine Botschaft von Stolz und Selbstbewusstsein.

Es ist das konsequente Finale dieses FDP-Wahlkampfs. Wer sich derart früh festlegt, nur mit der Union und sonst keinem anderen Partner zu kooperieren, kettet sich an die starke Schwester und bittet sie, wenn es eng wird, eben auch um Hilfe. Dass diese Schwester nun schimpft und sich ärgert, ist verständlich.

Souverän aber klingt auch das nicht. Wer sich das Gezanke der beiden Parteien im Schlussspurt des Wahlkampfs ansieht, kapiert endgültig, dass sich da nicht zwei aufeinander freuen, weil sie in vier Jahren gelernt hätten, wie sehr sie zusammengehören. Hier wollen zwei einfach nur weitermachen, weil alles andere mit größeren Risiken verbunden wäre. Ob Union und FDP merken, was für ein absurdes Bild sie abgeben?

Die FDP hat an ihrer eigenen Verzwergung gearbeitet

Für die Union ist das gefährlich, für die Liberalen lebensgefährlich. Sie haben es geschafft, ihre komplette Kampagne wie eine Bitte um Belohnung aussehen zu lassen, statt mit ihren Kandidaten eine Botschaft für die Zukunft anzubieten. Der gesamte Wahlkampf lebte nicht von eigenen Aktionen. Er lebte von der Reaktion auf die Aussagen der Kontrahenten.

Rainer Brüderle und Philipp Rösler erklärten landauf und landab, mit ihnen werde es keine Steuererhöhungen, keine Bevormundungen, keine weitere Verschuldung geben. Eine Weile lang reichte das, weil es nach innen beruhigte. Aber jetzt, da es drauf ankommt, weil die Wahl unmittelbar bevorsteht, zeigt sich, dass selbst größte Probleme der anderen nicht automatisch zu Pluspunkten für die FDP werden. Wer nur noch auf die anderen zeigt, riskiert, dass er von sich selbst ablenkt.

Dabei hätte es Möglichkeiten gegeben, es anders zu machen. Denn diese FDP hat sich zuletzt geöffnet und verändert. Sie hat sich in gesellschaftlichen Fragen modernisiert und in wirtschaftlichen Fragen sensibilisiert für Ungerechtigkeiten. Doch statt dies als Qualitätsmerkmal zu präsentieren, ist es im Wahlkampf verschüttet worden. Dass die Partei eine weltoffene Zuwanderungs- und Integrationspolitik vertritt? Niemand hat es richtig mitbekommen. Dass der NSA-Skandal ihren Kampf gegen alle Datensammler maximal bestätigt hat? Ist als Trumpf verschluckt worden. Dass sie eine Lohnuntergrenze ins Programm aufnahm? Wurde verschwiegen, statt damit zu werben.

Die FDP hat in diesem Wahlkampf an ihrer eigenen Verzwergung gearbeitet. Rainer Brüderles Satz, eine Stimme für die FDP sei eine Merkel-Stimme, ist da nur das logische Ende dieses Sommers. Kleiner kann man sich nicht mehr machen.