Zweiter Weltkrieg in Farbe König, Kanonen, Kämpferinnen

England 1942: Angehörige des Auxiliary Territorial Service (ATS) sucht in einer Flak-Stellung den Himmel nach deutschen Flugzeugen ab.

(Foto: IWM)

Das Londoner Imperial War Museum veröffentlicht bislang unbekannte Farbfotos aus dem Zweiten Weltkrieg. Den Motiven fehlt das Grauen - trotzdem wirken sie bemerkenswert authentisch.

Von Oliver Das Gupta

Mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist das Interesse an diesem finsteren Kapitel der Menschheitsgeschichte ungebrochen. Viel ist aufgearbeitet und dokumentiert worden, alles wahrlich noch nicht - auch wenn die von Privatsendern ausgestrahlten Hitler-Dokumentationen gefühlt in Endlosschleifen laufen.

Dabei gibt es immer wieder Neues zu entdecken, manchmal verborgen in der Erde oder im Meer, auf Dachböden oder in Archiven. Das zeigt anschaulich ein neues Buch des Londoner Imperial War Museums. In The Second World War in Colour sind Farbfotografien abgedruckt, die bislang kaum oder gar nicht bekannt waren.

Auch deutsche Fotos werden gezeigt

Farbfotos von damals haben für den heutigen Betrachter einen verblüffenden Effekt: Das Blutvergießen, das zwischen 1939 und 1945 rund um den Globus getobt hat (inoffiziell schon früher und noch länger), ist für die Nachgeborenen ein Krieg in Schwarz-Weiß. Doch die nun veröffentlichten Aufnahmen, die mit dem Kodakchrome gemacht wurden, lassen die Vergangenheit näher kommen, sie vermitteln eine besondere Authentizität.

Das Buch beginnt aber mit Aufnahmen, die mit dem deutschen Farbfilm Agfacolor angefertig wurden: Deutsche Panzer paradieren am Diktator im besetzten Warschau im Oktober 1939 vorbei, weitere Fotos zeigen die Wehrmacht auf dem Vormarsch.

Die übrigen Kapitel gehören dem weltweiten Kampf des Vereinigten Königreichs gegen Nazi-Deutschland: Orange lodernde Flammen nach einem deutschen Luftangriff; ein britisches Kriegsschiff schippert quert die beige Wüste auf dem Suez-Kanal, Kronprinzessin Elisabeth, der Blick schon queenesk-streng, lehnt in Uniform vor ihrem Auto; ein deutscher Kampf-Panzer Tiger liegt fast anmutig auf der Seite am Rand einer italienischen Straße, schließlich Kriegspremier Winston Churchill am Vortag der Kapitulation Deutschlands auf dem grünen Rasen der Downing Street 10.

Von manchen Motiven wie etwa vom Alliierten Oberbefehlshaber Dwight D. Eisenhower und seinem Stab, gibt es auch schon eine bekannte Version in Schwarz-Weiß. Im direkten Vergleich wird klar, wie viel lebendiger Geschichte werden kann durch Farbe.

Das Grauen bleibt ausgespart

Allerdings illustrieren die Bilder nur ausgesuchte Teil des Weltkrieges: den vorzeigbaren, vor allem den heroisch britischen. Die Gräuel der Schlacht, die zerfetzten Körper nach einem Granateinschlag, die Verzweiflung und Brutalität der Soldaten und das grenzenlose Leid der Zivilisten - all das sparen die Fotos aus.

Die Bilder stammen von offiziellen Armeefotografen. Eine Zensur fand damals statt, wie es im Vorwort des Bildbandes heißt. Eine nicht bekannte Anzahl von Fotos ist demnach schon während des Krieges aussortiert und vernichtet worden. Oder sie wurden noch nicht gefunden.

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