Zerstörung in Syrien Vorher Stadtviertel, hinterher Steinwüste

Nur noch Schutt und Asche: Die Organisation Human Rights Watch wirft der syrischen Armee vor, in Damaskus und Hama Tausende Häuser zerstört zu haben, um deren Bewohner zu bestrafen. Vorher-Nachher-Satellitenbilder zeigen die erschreckende Vernichtung.

Gezielte flächendeckende Zerstörung - anders lässt sich das, was diese Bilder aus Syrien belegen, nicht beschreiben. Veröffentlicht hat die Aufnahmen die Organisation Human Rights Watch (HRW). Sie zeigen deutlich, was Beobachter schon lange sagen:

Der Krieg zwischen den Aufständischen und der Armee wird in den Städten ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung geführt.

HRW zufolge wurden in manchen Städten ganze Viertel dem Erdboden von den Regierungstruppen gleichgemacht. Und zwar nicht während der Kämpfe, sondern mit Bulldozern und durch gezielte Sprengungen.

Tausende Menschen hätten zwischen Juli 2012 und Juli 2013 ihre Häuser verloren, berichtet HRW in einem jetzt veröffentlichten Bericht "Dem Erdboden gleichgemacht: illegale Zerstörungen von Wohnvierteln 2012 bis 2013".

Der Bericht der Organisation stützt sich auf die Analyse von 15 kommerziellen Satellitenbildern von den Städten Damaskus und Hama und die Aussagen von 16 Augenzeugen und Besitzern betroffener Gebäude. Auch Medienberichte, Regierungserlasse und 85 Youtube-Videos von den Zerstörungen wurden ausgewertet. Das Vorgehen der syrischen Regierung gehöre vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, fordert HRW in dem Bericht.

In einem Stadtviertel von Damaskus, Tadamon, steht im Juli 2012 ein Gebäude in Brand, vermutlich aufgrund von Artilleriebeschuss. Im September sind allerdings etliche Häuser zerstört. Human Rights Watch zufolge wurden sie vermutlich gezielt gesprengt. Mit dem Slider können Sie zwischen den Aufnahmen wechseln.

Die Regierung habe versucht, die Zerstörung zu rechtfertigen, indem sie behauptete, es handele sich um den Abriss illegal errichteter Gebäude oder um städtebauliche Maßnahmen. Auch wurden Häuser um militärisch wichtige Anlagen wie den Militärflughafen Mezze in Damaskus zerstört - was nach Kriegsvölkerrecht legal sein könnte.

Es handelte sich jedoch überwiegend um Viertel, die die Regierung für Hochburgen der Opposition hielt. Und mehrmals fanden die Zerstörungen nach heftigen Kämpfen statt. So waren 2012 Gebäude in den Vierteln Tadamon und Qaboun in Damaskus betroffen, nachdem die Armee eine Offensive der Rebellen in der Hauptstadt zurückgeschlagen hatte. In Hama richteten sich Maßnahmen gegen Viertel am Stadtrand, über die Aufständische in den Ort hinein kamen.

Das Satellitenbild vom Februar 2013 zeigt ein Wohn- und Geschäftsgebäude an der Straße zwischen dem Militärflugplatz Mezze und Daraya, einem Vorort von Damaskus, der als Hochburg der Opposition gilt. Im Juli 2013 sind viele der Häuser nur noch Schutt.

Sieben Fälle listet Human Rights Watch auf, bei denen ihren Experten zufolge gegen das Kriegsvölkerrecht verstoßen wurde. Denn die Zerstörung verfolgte keine direkten militärischen Ziele, es handelt sich nicht um Kollateralschäden. Vielmehr war die Armee gezielt gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen, um sie unter Druck zu setzen oder zu bestrafen.

In der Stadt Hama wurde das Viertel Masha' al-Arb'een zwischen 28. September und 13. Oktober 2012 vollständig zerstört.

So zerstörten Regierungssoldaten den Stadtteil Wadi al-Jouz in Hama und warnten Bewohner benachbarter Viertel danach, dass ihre Häuser genauso abgerissen würden, wenn auch nur eine einzige Kugel von dort aus abgefeuert würde. In anderen Fällen wurden die Einwohner zwar kurz vor dem Abriss der Gebäude gewarnt, konnten jedoch nichts dagegen tun und erhielten auch keine Entschädigung. Zerstört wurde HRW zufolge in Hama außer Wadi al-Jouz auch Masha' al-Arb'een. In Damaskus waren die Viertel Qaboun, Tadamon, Barzeh, Harran Al-Awamid und die Häuser um den Militärflughafen Mezze betroffen.

Begonnen habe das Militär mit der Vernichtung von Wohnhäusern spätestens im Juli vor zwei Jahren in Damaskus und Hama. Auf einer Fläche von mindestens 145 Hektar seien hier Wohnhäuser, darunter viele mehrstöckige Apartmenthäuser, beschädigt oder zerstört worden.