Wirbel in CDU wegen Erdoğan-Karikatur Ärger in Ankara

"Etwas mehr Humor schadet nicht - auch nicht Herrn Erdoğan": Sogar die CDU ist entsetzt über den Auftritt zweier christdemokratischer Abgeordneter in Ankara. Sie hatten eine deutsche Karikatur des türkischen Präsidenten kritisiert.

Von Robert Roßmann

Recep Tayyip Erdoğan gilt nicht unbedingt als erster Anwärter auf einen Rosa-Luxemburg-Lehrstuhl. Der türkische Präsident ist eine Schnauzbart-Variante des lupenreinen Demokraten im Kreml. Nach dem Sieg seiner Partei bei den Kommunalwahlen im März kündigte er an, die politischen Gegner "bis in ihre Höhlen verfolgen" zu wollen. Und die Demonstranten vom Gezi-Park beschimpfte er als "Terroristen". Von Luxemburgs Diktum über die Freiheit der Andersdenkenden hält Erdoğan wenig.

Insofern ist es nicht erstaunlich, dass sich das türkische Außenministerium jetzt schon über eine FAZ-Karikatur erregt, in der Erdoğan bestenfalls am Rande kritisiert wird. Die Zeichnung "beleidige" den Präsidenten und stachele "zu Hass und Islamophobie" an, befand das Ministerium. Die Karikatur sei "ein Spiegelbild des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit" in Deutschland. Es sei deshalb ein Unding, dass die Karikatur sogar in ein baden-württembergisches Schulbuch aufgenommen worden sei.

Von der Leine gelassen

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Viel erstaunlicher als dieser Amoklauf Ankaras gegen die Kunstfreiheit ist der Auftritt zweier CDU-Bundestagsabgeordneter in dieser Sache. Bei einem Besuch in der Türkei sagten Oliver Wittke und Cemile Giousouf, der Abdruck der Karikatur in einem Schulbuch sei "völlig inapzeptabel".

Von der Regierung in Stuttgart verlangten sie, "sich angemessen zu entschuldigen". Deutsche Schulen sollten "nicht nur Wissen, sondern auch Werte wie Respekt vor anderen Völkern und deren Repräsentanten vermitteln", sagten Wittke und Giousouf. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann lässt das jedoch kalt. Der Grüne will an dem Schulbuch nichts ändern und sich schon gar nicht entschuldigen.

"Etwas mehr Humor schadet nicht"

In der CDU herrscht dafür helles Entsetzen über den Auftritt von Wittke und Giousouf. "Kretschmann hat recht: Wir lassen uns Grundrechte unserer Verfassung nicht aus Ankara heraus streitig machen", sagte CDU-Vize Armin Laschet der Süddeutschen Zeitung. Die Pressefreiheit stehe für die Union "nicht zur Disposition". Und als Rheinländer füge er hinzu: "Etwas mehr Humor schadet nicht - auch nicht Herrn Erdoğan."

Laschet ist auch Vorsitzender der NRW-CDU, aus der Wittke und Giousouf stammen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Sven Volmering wurde noch deutlicher. "Wir sollten uns nicht von Staaten, die im Internet Zensur betreiben, diktieren lassen, welche Karikaturen in Schulbüchern abgedruckt werden", sagte Volmering der SZ.

Es gebe "nicht einen Grund, die Karikatur aus den Schulbüchern zu streichen, geschweige denn sich zu entschuldigen".

Die Zeichnung der Karikaturisten Achim Greser und Heribert Lenz trägt übrigens den unverfänglichen Titel "50 Jahre Türken in Deutschland: Eine Erfolgsgeschichte". Auf der Zeichnung sieht man zwei Bayern, die zu Gast auf einer Berghütte sind. Der eine raucht Wasserpfeife, der andere verzweifelt an der Schärfe des Essens. "Himmiherrgottsakramentwasguckstdu? Hassu bestellt Brotzeit mit scharf!" faucht der Almwirt. Er ist Türke, seine Hütte heißt "Üzrüms Alpenglück" - und sein Kettenhund "Erdogan".

Der Protzpalast des Recep Tayyip Erdoğan

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