Wahlkampf in Großbritannien *kreisch* Ed Miliband! *omg*

#HellYesEd: Labour-Chef Ed Miliband hat auf Twitter eine wachsende Fangemeinde.

(Foto: REUTERS)

"I love Ed Miliband so much it is painful": Im Netz feiern britische Teenager Labour-Chef Ed Miliband kurz vor der Wahl wie einen Popstar. Warum?

Von Kathrin Haimerl

Verlässt Teenie-Schwarm Harry Styles die extrem erfolgreiche britische Boyband One Direction? In einem gewissen Alter können solche Fragen lebensentscheidend sein. Viele Teenager in Großbritannien dürften dies momentan allerdings gähnend langweilig finden. Denn sie haben ein neues Idol: Es ist 45 Jahre alt, trägt Anzug und Krawatte und sieht aus wie ein Geek, wie eine Figur aus den Wallace-&-Gromit-Filmen - finden zumindest britische Karikaturisten.

Es handelt sich um Labour-Chef Ed Miliband.

Auf Twitter posten Nutzer unter dem Hashtag #milifandom Bilder von Ed Miliband als James Bond, David Beckham, als Action-Held Leonidas, Miliband mit Blumen im Haar. Teenage-Girls ändern aus Solidarität mit dem Labour-Chef ihr Profilbild und posten Dinge wie:

Oder:

Oder:

Oder:

Klingt alles sehr absurd, doch hinter den Tweets steckt wohl eine ernste Absicht. Die Twitter-Nutzerin Abby hatte den Fankult eigenen Angaben zufolge mit dem obigen Tweet gestartet. Sie gibt sich als 17-jährige Schülerin und Labour-Mitglied aus, recht viel mehr ist über sie nicht bekannt. Sie wolle nicht, dass ihre Eltern von der Kampagne erfahren, berichtet der Guardian. Denn diese seien Tory-Wähler.

Das Portal Buzzfeed zitiert sie mit den Worten, Ziel sei es gewesen, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen, um Milibands Bild in den Medien zu korrigieren. Dem Twitter-Account folgen seither mehr als 17 000 Twitter-Nutzer und es werden täglich mehr. Die Labour-Party kommentiert auf ihrer Facebook-Seite, man habe das alles so nicht kommen sehen. Abby selbst sagt, sie habe die Bewegung initiiert und niemand aus der Partei hätte sie dabei beeinflusst.

Miliband muss sich seit Jahren gegen schmutzige, antisemitische und fremdenfeindliche Angriffe durch die Boulevard-Presse wehren: Im aktuellen Wahlkampf versuchte die Daily Mail, ihn mit einer Geschichte über sein "fidel verwickeltes Liebesleben" zu demontieren (die sarkastisch-bissige Antwort eines Guardian-Kolumnisten: "Ich kann nicht guten Gewissens einen Mann wählen, der schon einmal fähig war, eine Erektion aufrecht zu erhalten.")

Auf Twitter feiern sie also nun Eds sexy Seite. Und Schülerin Abby nimmt die Sache sehr ernst. #milifandom sei kein Witz, schreibt sie auf Twitter. Und: "Wir sind junge Leute, die über das verdrehte Medienbild von Ed verärgert sind, die versuchen, dieses zu korrigieren und sich Gehör zu verschaffen."

Darüber hinaus solle die Bewegung die Politik daran erinnern, dass sie die junge Generation nicht vergessen sollte:

Eine bessere Kampagne hätte sich vermutlich auch der frühere Obama-Berater und "Yes-we-can"-Erfinder David Axelrod nicht ausdenken können. Miliband hatte ihn sich ins Team geholt in der Hoffnung auf ein besseres Image.