Vorsitzender des Zentralrats der Muslime Immer mittendrin

Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland Aiman Mazyek

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, gehörte zur Delegation des SPD-Vorsitzenden, Wirtschaftsministers und Vizekanzlers, die Anfang März durch die Golfregion reiste.
  • Die anderen Religionsverbände werfen ihm vor, seine eigene Politik zu machen.
  • In dem Streit geht es auch um die Zukunft des Koordinierungsrats der Muslime.
  • Dass Mazyek zum Gesicht des Islam in Deutschland wird, liegt an der Schwäche der anderen Verbände.
Von Matthias Drobinski

Aiman Mazyek ist wieder in Deutschland, in Frankfurt war er am Montag, wo der Deutsche Olympische Sportbund von Vertretern der Zivilgesellschaft wissen wollte, was sie von der Bewerbung Hamburgs oder Berlins für die Olympischen Spiele halten. Gerade hat man ihn in Riad in Saudi-Arabien gesehen oder in Katars Hauptstadt Doha, hinter der Schulter von Sigmar Gabriel, wo er Gelegenheit hatte, ins Bild zu kommen. Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), gehörte zur Delegation des SPD-Vorsitzenden, Wirtschaftsministers und Vizekanzlers, der Anfang März durch die Golfregion reiste. Gabriel und er duzen sich.

Die Reise der beiden könnte ein schönes Beispiel dafür sein, dass endlich die Politik die Muslime ernst nimmt und einer ihrer Vertreter mit dem Vizekanzler reisen darf - so sieht das auch Mazyek. Doch da sind noch die anderen Vertreter muslimischer Verbände. Die saßen daheim und nahmen übel, nicht nur wegen der Fernsehbilder aus Riad oder Doha.

Ganz nah dran: Aiman Mazyek (links) besichtigt mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Aus ihrer Sicht treibt der ZMD-Chef seine eigene Politik, ohne sich mit den anderen Verbänden abzustimmen, die sich im "Koordinierungsrat der Muslime" zusammengeschlossen haben. Der größte Moscheeverband in Deutschland, die türkisch-islamische Ditib, wirft Mazyek gar öffentlich vor, sein Verhalten habe zu einem "Vertrauensbruch" innerhalb des Koordinierungsrats (KRM, siehe Kasten) geführt. Der Zentralrat keilte zurück: Man solle Probleme nicht öffentlich aufbauschen, das gehöre "zu einer vorbildlichen islamischen Verhaltensweise".

Der KRM

Der Koordinierungsrat der Muslime (KRM) entstand 2007 als gemeinsame Plattform von vier großen Islam-Organisationen. Außer der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), die eng mit der türkischen Religionsbehörde verbunden ist, sind der Zentralrat der Muslime, der Islamrat und der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) dabei. Sie vertreten gemeinsam die große Mehrheit der etwa 2400 Moscheevereine in Deutschland. Allerdings war der Koordinierungsrat nie mehr als ein loser Zusammenschluss. Das Gremium hat keinen Vorsitzenden, sondern nur einen Sprecher. Dieser Posten wird alle sechs Monate neu besetzt.

EPD

Es geht um die Positionierung des Islam

Man könnte das als Streit um Befindlichkeiten abtun. Doch es geht mittlerweile auch um die Zukunft des Koordinierungsrats der Muslime, in dem sich 2007 die wichtigsten Moscheevereine zusammengeschlossen haben und der dem Staat gegenüber als Verhandlungspartner auftritt, wenn es zum Beispiel um den islamischen Religionsunterricht geht. Und es geht darum, wie sich künftig der Islam in Deutschland positionieren und organisieren soll.

Die Vorgeschichte des Streits liegt im vergangenen September. Das Erschrecken über die Anti-Israel-Demos, auf denen antisemitische Parolen gerufen wurden, war groß. Eine Demonstration, organisiert vom Zentralrat der Juden, angeführt von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck, sollte dagegen ein Zeichen setzen. Der KRM aber wollte lieber eine Kundgebung allgemein gegen Rassismus - Mazyek jedoch ging trotzdem hin.

Gleiches wiederholte sich im Januar nach den Anschlägen auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt in Paris: Der Zentralrat der Muslime hatte gemeinsam mit der säkular orientierten Türkischen Gemeinde Berlin zur Kundgebung vorm Brandenburger Tor geladen, hatte bei Präsident und Kanzlerin angefragt, da berieten die anderen KRM-Verbände noch, was zu tun sei. Und die anderen fühlten sich düpiert. "Wir standen als diejenigen da, deren Haltung zu Terror, jüdischen Opfern und Meinungsfreiheit zweifelhaft ist", sagt Bekir Alboga, der Dialogbeauftragte der Ditib, "dabei hatten wir uns genauso klar von den Taten distanziert wie der ZMD." Der kleinste Verband profiliert sich auf Kosten der anderen, lautete sein Vorwurf.