Vor neuer Islamkonferenz Muslime fordern eigene Seelsorger für die Bundeswehr

Bundesinnenminister de Maizière will mit den muslimischen Verbänden über die Zukunft der Islamkonferenz beraten. Der Zentralrat der Muslime begrüßt das Angebot - verlangt aber auch Zugeständnisse des Staates.

Von Roland Preuß

Die Deutsche Islamkonferenz (DIK) steht vor einem Neuanfang. Alle großen muslimischen Verbände begrüßten am Mittwoch das Angebot von Bundesinnenminister Thomas de Maizière, gemeinsam über die Zukunft des Gremiums zu beraten. Der CDU-Politiker hat die Verbandsspitzen hierzu für kommende Woche nach Berlin eingeladen. Die vier großen Verbände wollen nach eigenen Angaben an den Gesprächen teilnehmen.

De Maizière hatte zuvor der FAZ gesagt, er habe die Muslimvertreter eingeladen, "um ihre Meinung zu hören". Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, sagte dazu der Süddeutschen Zeitung: "Wir begrüßen die Offenheit." Dies ist besonders bemerkenswert, weil Mazyek in de Maizières erster Amtszeit als Innenminister 2010 aus der Konferenz ausgestiegen war. Mazyek hatte den schleppenden Fortschritt in der Konferenz, die Teilnahme von Islamkritikern und die Betonung von Sicherheitsfragen gerügt.

"Wir brauchen muslimische Seelsorger in der Bundeswehr"

Nun kann er sich vorstellen, die Runde mit neuen Inhalten zu beleben, nämlich mit einer Debatte über muslimische Wohlfahrtsangebote. "Es ist an der Zeit, über eine muslimische Beteiligung an Sozialeinrichtungen zu reden", sagte Mazyek. Hierzu müssten sich sowohl der Staat als auch die Muslime bewegen. Bislang dominieren kirchliche Träger das Angebot sozialer Hilfen, etwa bei Pflegeheimen oder Beratungsstellen. Der ZMD-Vorsitzende will zudem über die Betreuung der etwa 1600 Soldaten islamischen Glaubens in der Bundeswehr sprechen. "Wir brauchen muslimische Seelsorger in der Bundeswehr." Mazyek sprach sich dafür aus, die alten Konflikte der DIK außen vor zu lassen.

De Maizière hat auch den Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland eingeladen. Dieser war von ihm 2010 aus der Konferenz ausgeschlossen worden, nachdem gegen seinen größten Mitgliedsverband Milli Görüş Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung und Bildung einer kriminellen Vereinigung eingeleitet worden waren. Das Verfahren wegen Bildung einer krimineller Vereinigung wurde inzwischen eingestellt. Allerdings soll das Gespräch mit dem Islamrat getrennt von den übrigen Verbänden stattfinden. "Wir müssen zu einer Gleichstellung der Religionsgemeinschaften kommen, über den Weg sollten wir diskutieren", sagte der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kızılkaya, der SZ.

Auch die beiden übrigen großen Moscheeverbände, die türkisch-halbstaatliche Ditib und der Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ), zeigten sich optimistisch. Nun könne es vielleicht ein "ganz neuer Beginn" werden, sagte der Dialogbeauftragte der Ditib, Bekir Alboğa. VIKZ-Generalsekretär Seyfi Öğütlü erklärte, man sei gespannt auf das Gespräch mit dem Minister und freue sich darauf.

Derart optimistische Töne waren von den Muslimvertretern lange nicht zu hören gewesen. Vor dem jüngsten Treffen im vergangenen Mai unter Innenminister Hans-Peter Friedrich hatten sie den Sinn der groß inszenierten Treffen in Frage gestellt. Sie warfen Friedrich vor, die Runde zu einer Sicherheitskonferenz umwandeln zu wollen. Der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble hatte die Konferenz 2006 einberufen, um über das Verhältnis von Staat und Muslimen zu beraten, etwa über staatlichen Islamunterricht und ein gemeinsames Verständnis von Grundrechten.