Vor dem EU-Gipfel in Brüssel Drei Rettungswege aus der Euro-Krise

Merkel und Sarkozy wollen ihre Pläne zur Euro-Rettung schnell umsetzen. Von Donnerstag an geht es auf dem EU-Gipfel für die Euro-Länder um alles. Bricht die Währungsgemeinschaft auseinander - oder wird eine dauerhafte Lösung für die Finanzkrise gefunden? Was passiert, wenn Merkel und Sarkozy sich nicht durchsetzen können?

Antworten auf die wichtigsten Fragen. Von Sebastian Gierke

Angela Merkel und Nicolas Sarkozy machen Druck. Im "gestreckten Galopp" wollen die Bundeskanzlerin und Frankreichs Präsident die EU-Verträge ändern. Schon Ende März soll alles fertig sein, kündigten sie vergangenen Sonntag an. Auf dem EU-Gipfel, der am Donnerstag in Brüssel beginnt, sollen dafür die Weichen gestellt werden. Es geht darum, endlich eine Lösung für die Schuldenkrise in Europa zu finden. Es geht um alles. Das macht nicht zuletzt die Ankündigung der US-Ratingagentur Standard & Poor's deutlich, die Kreditwürdigkeit Deutschlands und 14 weiterer Euro-Länder zu prüfen.

sueddeutsche.de erklärt, wie Europa den Euro retten will - und welche Probleme sich daraus ergeben.

Welche Szenarien und Möglichkeiten werden auf dem Gipfel diskutiert?

[]Szenario 1: Kernstück der Vorschläge von Merkel und Sarkozy ist ein neuer europäischer Vertrag, der automatische Sanktionen für Defizitsünder und eine Schuldenbremse vorsieht, welche alle nationalen Parlamente in ihren nationalen Verfassungen verankern sollen. Die EU-Institutionen sollen ein stärkeres Eingriffsrecht im Fall von Verstößen gegen den Stabilitätspakt bekommen und könnten eine Änderung nationaler Haushaltspläne erzwingen. Die Folge wäre ein engeres Bündnis der 17 Euro-Länder. Merkel nennt das Fiskalunion.

[]Szenario 2: Die "kleine" Lösung im Rahmen der 17 Euro-Staaten. Dazu würden neue Verträge zwischen den 17 Staaten der Eurozone und interessierten Nicht-Euro-Ländern geschlossen. Diese Lösung wäre einfacher als eine Änderung der EU-Verträge, da dieser völkerrechtliche Vertrag direkt zwischen den beteiligten Regierungen ausgehandelt werden könnte. Bei der Schaffung der Rettungsfonds EFSF und ESM sind die EU-Länder bereits so vorgegangen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble betonte allerdings, dass dieser zwischenstaatliche Vertrag nicht der bevorzugte Weg ist - auch wenn er in Frankreich größere Sympathien genießt. Immerhin schaffen Merkel und Sarkozy mit diesem Szenario ein Drohpotenzial gegen Großbritannien, sich einer Vertragsänderung nicht zu verweigern.

[]Szenario 3: Einen dritten Weg hat EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy nun vorgeschlagen: Die Staaten könnten vereinbaren, eine Pflicht zu ausgeglichenen Haushalten verbindlicher als bisher im Stabilitätspakt zu verankern. Der Pakt der europäischen Länder könnte im Rahmen des bestehenden EU-Vertrages noch schärfer angewandt werden, glaubt Van Rompuy. Dazu müsse man nur ein Protokoll des bestehenden Vertrages ändern. Der Rat der Staats- und Regierungschefs könne das einstimmig nach einer Anhörung der Europäischen Zentralbank und des Europäischen Parlaments beschließen. Eine Ratifizierung wäre Van Rompuy zufolge nicht nötig.