Video-Aufnahmen Angriff am McDonald's

Eine Szene aus dem Video, das mutmaßlich vor der McDonald's-Filiale beim Olympia Einkaufszentrum gemacht wurde.

(Foto: oH)

Im Internet kursieren Videos, die eine Schießerei vor einem McDonald's und eine Eskalation auf einem Parkdeck zeigen. Vieles deutet darauf hin, dass sie authentisch sind - die Anzeichen verdichten sich, dass die Aufnahmen den Täter zeigen und Hinweise auf seine Motive geben.

Von Julia Bönisch

Eine Straßenkreuzung, Autos mit Münchner Kennzeichen fahren durchs Bild, der Himmel ist bedeckt, es sieht nach Regen aus. Im Hintergrund ist eine McDonald's-Filiale zu sehen, der unbekannte Filmer zoomt an die Eingangstüre heran. Ein Mann tritt aus der Tür, er trägt dunkle Jeans und ein schwarzes T-Shirt mit weißer Schrift. Er geht schwerfällig, wankt ein bisschen. Dann hebt er ohne Vorwarnung den rechten Arm und legt an - auf Passanten, die seinen Weg kreuzen, Kunden, die gerade den Schnellimbiss verlassen. Eine junge Frau im roten T-Shirt und weißer Jeans duckt sich und sprintet davon, vier Männer tun es ihr gleich, sie laufen um ihr Leben.

Das tut dann auch der Zeuge, der das Handy-Video ins Netz gestellt hat: Während im Hintergrund Schüsse knallen, wackelt die Kamera hektisch, Asphalt, der Bürgersteig, Schuhe rasen vorbei, bis der Mann stehen bleibt. Offenbar, so scheint es, hat er sich in den Eingang eines Geschäftes geflüchtet. In Sekunde 18 des Filmes hört man zum ersten Mal seine Stimme: "Hey, wie krank ist denn der?" Der Filmer ist ruhig, ungläubig klingt seine Stimme, nicht panisch, nur erstaunt, dass plötzlich ein Mann das Feuer eröffnet hat.

Nach acht weiteren Sekunden jedoch, in denen wieder nur Asphalt durchs Bild wackelt, nähert sich der Täter wohl genau jenem Geschäft, in das sich der Filmer geflüchtet hatte. "Er kommt hierher, lauft, Leute, lauft!", ruft er. Im Hintergrund ertönt noch einmal eine Salve. Dann bricht das Video abrupt ab.

18 Schüsse in nur 32 Sekunden

Mindestens 18 Schüsse sind in den nur 32 Sekunden zu hören, sie werden in sehr schneller Folge abgegeben. Die Polizei wertet das Material wie andere Aufnahmen noch aus, aber das Video ist offenbar authentisch: Die McDonalds-Filiale sieht exakt so aus wie die vor dem Olympia-Einkaufszentrum im Norden von München, wo am frühen Freitagabend bei einer Schießerei mindestens acht Menschen getötet und weitere verletzt wurden. Die Autos tragen Münchner Kennzeichen, Ort und Zeit entsprechen den Meldungen der Polizei. Satellitenbilder gleichen dem Tatort. Wo das Video zum ersten Mal ins Netz gestellt wurde und vor allem, von wem, ist jedoch noch unklar. Am Freitagabend wurde es tausendfach in den sozialen Netzwerken geteilt.

Auf Twitter und Facebook tauchten nach kurzer Zeit noch zwei weitere Videos auf, die aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls an dem Einkaufszentrum gemacht wurden. Beide zeigen die gleiche Szene, nur aus leicht unterschiedlichen Perspektiven. Offenbar wurden sie aufgenommen aus einem gegenüberliegenden Wohnblock, die Balkone bieten gute Sicht auf das Parkdeck der Shoppingmall. Kein einziges Auto parkt dort, ein einzelner Mann - ebenfalls in dunkler Kleidung - geht unruhig auf und ab. Dann schreit ein Mann vom Balkon hinab, der Bewaffnete brüllt vom Parkdeck zurück:

"Ich bin Deutscher! Hört auf zu filmen! [unverständlich, Anmerkung der Redaktion] hier geboren worden! [unverständlich, Anm. der Red.] in der Hartz-IV-Gegend [unverständlich, Anm. der Red.] in Behandlung. [unverständlich, Anm. der Red.] Ich hab nix getan. Halten Sie die Schnauze, Mann." Die Kamera macht einen Schwenk, dann fallen Schüsse, Menschen schreien. Nach 45 Sekunden ist der Film vorbei.

Bilder vom Parkdeck des Einkaufszentrums.

Offenbar zeigt dieser Film - wie auch der vor der McDonald's-Filiale - den Täter: den jungen Deutsch-Iraner, erst 18 Jahre alt, der in München lebte und sich nach der Tat laut Polizei wahrscheinlich selbst richtete. Polizeipräsident Hubertus Andrä bestätigte in der Nacht auf Samstag: "Bei der Person, die auf einem im Internet kursierenden Video auf einem Parkdeck zu sehen ist, handelt es sich nach derzeitigem Erkenntnisstand um den Täter." Damit liefert der Wortwechsel, der auf dem Film zu hören ist, bisher auch die einzigen Anhaltspunkte für sein Motiv.

Anmerkung der Redaktion: Die SZ hat sich dagegen entschieden, die Filme zu zeigen, um nicht der Verbreitung von Angst und Panik Vorschub zu leisten. Die Standbilder aus den Videos sollen dazu dienen, die Situation zu dokumentieren und gegebenenfalls zur Klärung der Umstände beizutragen. Wenn Sie Hinweise haben, wenden Sie sich an die Polizei. Diese bittet darum, ihr Videos und Bilder zur Auswertung zur Verfügung zu stellen.

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