USA Wie ein Restaurant Trumps Sprecherin rausschmiss - und der Präsident zurückkeilte

  • Ein Restaurant im US-Bundesstaat Virginia hat sich geweigert, die Sprecherin von US-Präsident Trump zu bedienen.
  • Dieser hat die Restaurantbesitzerin auf Twitter deshalb als dreckig beschimpft.
  • Zwei ähnlich gelagerte Fälle hatten sich ebenfalls in der vergangenen Woche ereignet. Sie zeigen, wie angespannt die Lage zwischen den politischen Lagern ist.
Von Christian Zaschke, New York

Stephanie Wilkinsons kleines Restaurant namens "The Red Hen" im Örtchen Lexington in Virginia ist jetzt berühmt. Das hat allerdings nichts mit dem Essen zu tun, das dort serviert wird. Vielmehr hat es etwas mit Essen zu tun, das dort nicht serviert wurde. Ende vergangener Woche tauchte überraschend Sarah Huckabee Sanders in dem Restaurant auf, die Sprecherin von US-Präsident Donald Trump. Lange blieb sie nicht, denn Wilkinson bat sie höflich, das Etablissement zu verlassen. Man habe gewisse Standards, die es aufrechtzuerhalten gelte. Ehrlichkeit zum Beispiel. Oder Mitgefühl.

Mittlerweile hat sich Wilkinson ausführlich zu dem Vorfall geäußert, und Sanders hat bestätigt, dass man sie gebeten habe zu gehen. Und natürlich hat sich am Montag auch Donald Trump eingeschaltet und das Restaurant, das er noch nie aus der Nähe gesehen hat, auf Twitter als dreckig beschimpft. Die Besitzer sollten lieber mal sauber machen, statt seiner verdienten Mitarbeiterin den Service zu verweigern.

Trump will illegale Einwanderer ohne Gerichtsverfahren abschieben

Dass bisher Einwanderungsgerichte über solche Fälle entscheiden, nennt der US-Präsident eine "Farce" - und ergänzt: "Wir brauchen Menschen, die dabei helfen, Amerika wieder groß zu machen." mehr ...

Die Mitarbeiter des Restaurants fühlten sich bei Sanders' Besuch unwohl

Lexington liegt gut 300 Kilometer von Washington entfernt. Daher war Wilkinson überrascht, als am Freitagabend das Telefon in ihrer Wohnung klingelte und der Koch erzählte, Sarah Huckabee Sanders sei gerade eingetroffen. Die Mitarbeiter fühlten sich unwohl, sagte er. Um eine Verwechslung auszuschließen, fuhr Wilkinson umgehend zum Restaurant. Es war keine Verwechslung. Sanders saß mit ihrem Mann und einigen anderen Gästen zusammen, als Vorspeise gab es Käseplatte. In der Küche wurden bereits die Hauptgerichte für die Gruppe vorbereitet. Was sie tun solle, fragte Wilkinson ihre Mitarbeiter. Wenn diese das wünschten, würde sie Sanders bitten, das Lokal zu verlassen. Genau das wünschten die Mitarbeiter.

Als Sprecherin verteidigt Sanders tagein und tagaus die Politik des Präsidenten. Auch wenn er offensichtlich lügt, steht sie fest an seiner Seite. Zuletzt oblag es ihr, die Politik der Trump-Regierung zu rechtfertigen, an der mexikanischen Grenze Kinder von ihren Eltern zu trennen, um so ein abschreckendes Signal an Flüchtlinge zu senden. Dafür ist sie mehrmals attackiert worden; ein Reporter fragte sie, ob sie überhaupt zur Empathie fähig sei. Sie habe doch selber Kinder.

Wilkinson bat Sanders auf ein Wort auf die Terrasse. Sie erzählte ihr vom Unbehagen der Mitarbeiter und bat sie zu gehen. Sanders kam der Bitte nach, ihr Mann und der Rest des Tisches schlossen sich an. Sie bot an, für den Käse und die Getränke zu zahlen, doch Wilkinson sagte, das gehe aufs Haus. So weit, so unspektakulär. Doch der Fall hat sich mittlerweile mit symbolischer Bedeutung aufgeladen. Er steht beispielhaft dafür, wie gespalten Amerika ist, in Trump-Gegner und Trump-Fans, und dafür, dass es beiden Seiten offenkundig immer schwerer fällt, miteinander oder zumindest nebeneinanderher zu leben.

Die Spannungen zwischen den politischen Lagern streben der Eskalation entgegen

Zwei ähnlich gelagerte Fälle hatten sich ebenfalls in der vergangenen Woche ereignet. Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen, maßgeblich mitverantwortlich für die Politik an der mexikanischen Grenze, hatte beschlossen, ausgerechnet in einem mexikanischen Restaurant zu Abend zu essen. Eine rasch wachsende Gruppe versammelte sich und beschimpfte sie. Schließlich verließ sie das Lokal. Trump-Berater Stephen Miller, beim Thema Einwanderung einer der schärfsten Hardliner, hatte sich ebenfalls ein mexikanisches Lokal ausgesucht. Ein anderer Gast beschimpfte ihn dort als Faschisten, der um Geld für Käfige bettele, in denen man Kinder an der Grenze unterbringen könne.

Alle drei Fälle sind Zeichen dafür, dass die Spannungen zwischen den politischen Lagern der Eskalation entgegenstreben. Die demokratische Abgeordnete Maxine Waters goss am Wochenende Öl ins Feuer. Sie äußerte sich im Fernsehen und auf Twitter. Wo immer man ein Mitglied des Kabinetts von Trump entdecke, im Kaufhaus, an der Tankstelle oder eben im Restaurant, gelte es, sich zu organisieren und deutlich zu machen, dass diese Menschen nicht mehr willkommen seien, und zwar nirgendwo. Auf Twitter hat Waters immerhin 777 000 Follower. Meghan McCain, Tochter des moderaten republikanischen Abgeordneten John McCain, antwortete mit dem Hinweis: "Das ist absolut wahnsinnig - und gefährlich."

Restaurantbesitzerin Wilkinson bekam für ihr Vorgehen gegen Sarah Huckabee Sanders erwartbar ebenso viel Lob wie Kritik: Demokraten priesen sie, Republikaner schmähten sie. Der Demokrat David Axelrod, der als Kopf hinter den Wahlkämpfen von Barack Obama gilt, hielt eine dritte Lesart der Vorfälle bereit. Diese strikte Trennung in zwei Lager, die einander unversöhnlich und mit wachsender Wut gegenüber stehen - das sei doch in Wahrheit der Triumph von Donald Trumps Vision von Amerika.

Ein Zyniker und Menschenfeind

Trump hat überraschend per Dekret der Familientrennung an der US-Grenze ein Ende gesetzt. Seine Lösung aber ist kaum weniger hart: Die Kinder sollen jetzt eben mit ihren Eltern in Haft. Kommentar von Thorsten Denkler mehr...