Seemanöver im Gelben Meer Norden droht mit "Gegenangriff ohne Gnade"

Die USA und Südkora starten eine gemeinsame Operation im Gelben Meer. Nordkorea installiert an der umstrittenen Seegrenze weitere Raketen und warnt wortgewaltig. Die Situation scheint festgefahren - nun will China vermitteln.

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel verschärfen sich weiter: Südkoreanische Medien berichteten, Nordkorea habe nahe der umstrittenen Seegrenze an der Westküste weitere Raketen aufgestellt. Damit reagiert das Kim-Regime offenbar auf ein gemeinsames Seemanöver von US-Streitkräften und Südkorea an diesem Sonntag. Man stelle sich auf "weitere Provokationen" des Nachbarlandes ein, hieß es aus Seoul.

Pjöngjang droht derweil über seine staatliche Medien erneut mit Militärschlägen, sollte die Grenze zu seinen Gewässern verletzt werden. Nordkorea werde "auch in der Zukunft beim geringsten Versuch eines Eindringens in seine Gewässer einen militärischen Gegenangriff ohne Gnade unternehmen", zitierte die Zeitung der Kommunistischen Partei aus einer Regierungserklärung. Seoul werden darin "Provokationen" im Rahmen "ihres brutalen Vereidigungsprogramms der nördlichen Grenzlinie" vorgeworfen.

China will sich um Schlichtung bemühen

In der südkoreanischen Hauptstadt ist unterdessen der chinesische Staatsrat Dai Bingguo zu Gesprächen mit der südkoreanischen Regierung über mögliche Wege zur Entspannung der Lage zusammengetroffen. Die Gespräche zwischen dem ranghohen chinesischen Diplomaten und Südkoreas Präsident Lee Myung Bak seien "detailliert und offen" gewesen. Die beiden Seiten seien übereingekommen, dass gemeinsame Anstrengungen nötig seien, um die Spannungen zwischen den koreanischen Staaten abzubauen.

Südkoreas Präsident Lee Myung Bak habe die Führung in Peking aufgerufen, mit Blick auf die Beziehungen zwischen Süd- und Nordkorea eine "verantwortungsbewusste und faire" Haltung einzunehmen, teilte ein Sprecher Lees mit. Damit könne China einen Beitrag zum Frieden leisten. Lee habe gewarnt, dass Südkorea eine "starke Antwort" geben werde, falls das Land weiter von Nordkorea provoziert werde.

Wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, wird der Vorsitzende der Obersten Volksversammlung in Nordkorea, Choe Tae Bok, am Dienstag nach China reisen. Choe sei von Dai Bingguo zu einem fünftägigen Besuch eingeladen worden.

China, das nach wie vor gute Beziehungen zum kommunistischen Regime in Pjöngjang unterhält, hat sich der internationalen Kritik am nordkoreanischen Angriff auf die Insel Yonpyong zunächst nicht angeschlossen. Die jüngste Enthüllung einer neu errichteten Anlage zur Urananreicherung in Nordkorea sowie der Artillerieangriff deuteten eine "ernsthafte Veränderung der Umstände an", wurde Lee jedoch jüngst zitiert.

Der chinesische Sondergesandte für die koreanische Halbinsel, Wu Dawei, schlug am Sonntag vor Journalisten in Peking multilaterale Krisengespräche im Rahmen der Sechs-Parteien-Runde vor. Die Chefunterhändler der beiden Koreas, der USA, Chinas, Japans und Russlands sollten Anfang Dezember in Peking zusammenkommen. Das mögliche Treffen sei allerdings keine Wiederaufnahme der im April 2009 von Nordkorea einseitig abgebrochenen Sechs-Parteien- Gespräche, in deren Mittelpunkt vor allem die Beendigung des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms steht.

Pjöngjang rüstet auf

Fünf Tage nach dem Angriff Nordkoreas auf die Insel Yonpyong haben am Sonntagmorgen unterdessen die gemeinsamen Marine- und Luftwaffenübungen der USA und Südkoreas im Gelben Meer begonnen. Das viertägige Manöver findet nach Angaben des südkoreanischen Militärs allerdings weiter südlich der Seegrenze vor der Küstenstadt Taean statt, die etwa 150 Kilometer von Seoul entfernt ist.

Mit dem Großmanöver, an dem auch der Flugzeugträger USS George Washington teilnimmt, wollen die beiden Bündnispartner militärische Stärke demonstrieren und ein Signal der Abschreckung an das kommunistische Nordkorea senden. Das Manöver, das schon seit langem geplant gewesen sei, sei verteidigungsorientiert, hieß es.

Nordkorea habe an der Westküste neben Boden-Schiffraketen mit Reichweiten von mehr als 90 Kilometern auch Boden-Luftraketen vom Typ SA-2 mit einer Reichweite von bis zu 30 Kilometern an der Westküste startbereit gemacht, berichtete Yonhap unter Berufung auf einen Regierungsbeamten in Seoul.

Bei dem Beschuss der Insel Yonpyong durch die nordkoreanische Artillerie am Dienstag wurden zwei Soldaten und zwei Zivilisten getötet. Es war einer der schwerwiegendsten Zwischenfälle seit dem Ende des Koreakriegs (1950-53).

Südkorea, das dem Nachbarland vorsätzliche Provokation vorwirft, hatte das Feuer erwidert. Den Vorwurf Nordkoreas, zuerst geschossen zu haben, weist Seoul zurück. Nordkorea hatte am Samstag nach seinem Angriff den Tod von zwei Zivilisten bedauert. Nordkorea gab jedoch über seine staatlichen Medien Südkorea die Schuld dafür.

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