USA Trumps Präsidentschaft ist ins Rutschen geraten

Vier Monate haben die Republikaner zähneknirschend die Egomanie des US-Präsidenten ertragen. Doch nun wurde binnen 36 Stunden so viel Schludrigkeit und Inkompetenz öffentlich, dass Trump den Verfall seiner Präsidentschaft wohl nicht mehr aufhalten kann.

Kommentar von Hubert Wetzel, Washington

Ihr neues Land haben die Gründer der Vereinigten Staaten vom Amerika einst auf zwei Fundamentsteinen aufgebaut. Der eine ist die Vernunft. Man findet sie in der Unabhängigkeitserklärung von 1776, ein Dokument des Verstandes und der Logik. Wie in einer juristischen Anklageschrift wird darin dargelegt, warum die Kolonien in Übersee das Recht haben, sich von der britischen Krone abzuspalten.

Der zweite Fundamentstein ist die Einhegung der Macht der einzelnen staatlichen Institutionen - Präsident, Abgeordnetenhaus, Senat und Gerichte - durch die Möglichkeit, sich gegenseitig zu blockieren. Verankert sind diese checks and balances in der Verfassung, die 1789 in Kraft trat.

Man könnte es, weniger abstrakt, so sagen: George Washington und seine Mitstreiter wollten, als sie ihre Revolution begannen, nicht nur den König in England loswerden. Sie wollten ebenso wenig zulassen, dass ein dummer Herrscher nachfolgt, der zwar vom Volk gewählt ist, aber seine Macht missbraucht, weil er glaubt, er stehe über Staat und Gesetz.

Trump denkt wie ein Sonnenkönig: Amerika bin ich

Womit man bei Donald Trump ist. Der amtierende Präsident verkörpert alles, was Amerikas Gründerväter verachteten, fürchteten - und verhindern wollten. Trump kümmert das Staatswohl nicht, er interessiert sich nur für sich. Er denkt wie ein Sonnenkönig - Amerika, das bin ich! -, nur dass er sich zu seinem Ruhm keine Schlösser bauen lässt, sondern lediglich erzählt, wie viele Bundesstaaten er gewonnen hat und wie viele Menschen bei seiner Vereidigung zugeschaut haben.

Wann es für Trump eng wird

Der US-Präsident liefert viele Gründe für ein Strafverfahren gegen ihn. Doch die Hürden dafür sind hoch. Mehr Erfolg könnte ein Amtsenthebungsverfahren versprechen. Von Reymer Klüver mehr ...

Trump wird nicht von Vernunft geleitet, sondern von Egomanie, er hat keinerlei Respekt für die Institutionen, die seiner Macht Grenzen setzen. Wenn er auf Widerstand stößt, ist er beleidigt wie ein Kind und schlägt um sich.

Das ging jetzt vier Monate so. In dieser Zeit haben die Republikaner im Kongress tapfer und mit zusammengebissenen Zähnen mitgemacht. Aber das hatte nichts mit Loyalität, Überzeugung oder Respekt zu tun, nicht einmal mit Angst, sondern nur mit purem Machtwillen. Die Republikaner wollen endlich regieren, und sie wissen, dass der Mann im Weißen Haus jedes Gesetz unterschreiben wird, das der Kongress ihm schickt. Deswegen tolerieren sie das Chaos und das Drama, das Trump verbreitet, deswegen schleppen sie sich immer wieder vor die Kameras und verteidigen einen Präsidenten, der sich, die Partei und das Land lächerlich macht.