US-Wahlkampf Sarah Palin sucht neuen Einfluss

Kein Zufall, sondern Kalkül: Sarah Palin unterstützt Donald Trump.

(Foto: AP)

Dass die konservative Ikone ihre Wahlempfehlung für Donald Trump ausgesprochen hat, ist ein kalkulierter Paukenschlag - und nützt vor allem ihr selbst.

Kommentar von Hubert Wetzel

Ein großer Teil der Weltbevölkerung (viele Amerikaner eingeschlossen) hält Sarah Palin, um es mal offen zu sagen, für ein hinterwäldlerisches Dummchen. Und Sarah Palin hat ja auch durchaus hart an diesem Ruf gearbeitet. Die mal einfältigen, mal geradezu bizarren Interviews, die sie während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2008 gab, als sie die Vizekandidatin des Republikaners John McCain war, haben ihr wenig schmeichelhaftes Image zementiert.

Aber das ist allenfalls ein Teil der Wahrheit. Kaum etwas zeigt das so gut wie die Aufregung, die nun herrscht, da Palin den republikanischen Anhängern empfohlen hat, Donald Trump zu ihrem Präsidentschaftsbewerber zu wählen. Solche Empfehlungen werden in US-Wahlkämpfen im Dutzend abgegeben. Palins öffentliche Unterstützung für Trump aber ist die, welche bisher die höchsten Wellen schlägt.

Ganz so unbedarft ist Sarah Palin also wohl nicht. Vor allem nützt die Wahlempfehlung derzeit Palin selbst. Um die einstige Gouverneurin von Alaska und Kandidatin für die Vizepräsidentschaft war es in den vergangenen Jahren für ihren Geschmack etwas zu still geworden.

Nach McCains Wahlniederlage war Palin zu einer Art konservativer Ikone aufgestiegen, mit flotten rechten Sprüchen, Millionen Facebook-Anhängern, einem lukrativen Kommentatoren-Posten beim Fernsehsender Fox und jeder Menge Auftritten. Auch an Privatem wie der Teenager-Schwangerschaft ihrer Tochter Bristol durfte Amerika teilhaben. All das brachte nicht nur mehr Aufmerksamkeit und Geld als das Gouverneursamt in Alaska, das sie 2009 aufgab, sondern auch enormen politischen Einfluss.

Die Emfpehlung ist wohl kalkuliert

Es gab tatsächlich Jahre, in denen eine Wahlempfehlung von Sarah Palin im republikanischen Lager über Wohl und Weh eines Kandidaten entscheiden konnte. Nicht wenige Politiker aus der rechtskonservativen Tea-Party-Bewegung verdanken ihre Mandate der Rückendeckung durch Palin.

Doch das ist lange her, in jüngster Zeit sind Palins Marktwert und Einfluss deutlich gesunken. Fox verzichtete voriges Jahr auf eine Vertragsverlängerung - ein Alarmzeichen. Insofern war es wohl durchaus ein kalkulierter Paukenschlag, dass die 51-Jährige sich nun hinter den ideologisch eher windigen Donald Trump stellte und nicht hinter dessen innerparteilichen Rivalen Ted Cruz, der ein harter Rechter und der eigentliche Liebling der Tea Party ist. Das garantiert Palin viel Fernsehzeit, in der sie als Sprachrohr für Trump (und sich selbst) auftreten kann. Ob Palins Empfehlung Trump auch Stimmen bringt, weiß dagegen niemand. Mag sein, dass sich einige Wähler in Iowa, wo demnächst die Vorwahlen beginnen, davon noch beeindrucken lassen. Schaden wird es gewiss nicht.

Bevor sie Wahlkampf für Trump machen kann, muss sich die fünffache Mutter freilich wieder um eine private Angelegenheit kümmern: Ihr ältester Sohn Tack wurde gerade verhaftet; er soll seine Freundin geschlagen und mit einem Sturmgewehr bedroht haben.

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