Republikaner schockiert mit Aussagen über Vergewaltigung

US-Wahlkampf /
Von Johannes Kuhn
/ Veröffentlicht am , im US-Wahlblog

Senatskandidat Todd Akin (Archivbild aus dem Jahr 2003): Zweifelhafte Aussagen zum Thema Vergewaltigung.

(Foto: Getty Images)

Todd Akin ist weder eine Frau, noch ist er ein Gynäkologe. Dennoch fühlte sich der republikanische Abgeordnete und Senatskandidat in einem TV-Interview am Sonntag offenbar qualifiziert, eine ganz eigene biologische Theorie zu vertreten. Auf die Frage, ob Abtreibung im Falle einer Vergewaltigung gerechtfertigt sei, antwortete er:

"Erst einmal, so wie ich Ärzte verstehe, ist das [eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung, d. Red.] ziemlich selten. Wenn es eine legitime Vergewaltigung ist, hat der weibliche Körper die Möglichkeit, das zu verhindern. Nehmen wir an, das funktioniert nicht oder so. Ich denke, es sollte eine Bestrafung geben, aber die sollte den Vergewaltiger treffen und nicht das Kind."

Eine "legitime", auch mit "tatsächliche" übersetzbare Vergewaltigung* kann also nicht zu einer Schwangerschaft führen, weil ein körperlicher Abwehrmechanismus der Frau das verhindert. Nicht nur der gesunde Menschenverstand und medizinische Fakten widersprechen dieser These Akins, der ausgerechnet im Wissenschaftsausschuss des Kongresses sitzt. Auch eine Studie aus dem Jahr 1996 lässt seine Äußerungen deplatziert und peinlich erscheinen: Demnach resultieren in den USA jährlich 32.000 Schwangerschaften aus Vergewaltigungen.

"Tatsächlich dumm"

Kein Wunder, dass innerhalb weniger Stunden ein Entrüstungssturm losbrach. "Wenn Du nicht verstehst, wie eine Schwangerschaft funktioniert, sollte es Dir für immer verboten sein, dazu Gesetze zu verfassen", hieß es beispielsweise bei Twitter, von einer "absurden, menschenverachtenden, einfach nur traurigen" Aussage war die Rede. "Tatsächlich dumm", titelte die Huffington Post.

"Als Frau und Staatsanwältin, die Hunderte Vergewaltigungsfälle verfolgt hat, bin ich erschüttert über diese Aussagen", twitterte die Demokratin Claire McCaskill, die im November gegen Akin ihren Senatssitz im Bundesstaat Missouri verteidigen muss. Die Journalistin Donna Ladd schrieb erbost: "Lieber Todd Akin, bitte lesen Sie meinen Text darüber, wie ich mit 16 vergewaltigt wurde und sagen Sie mir, ob es eine echte Vergewaltigung war."

Noch am späten Nachmittag reagierte Akin und gab eine Erklärung heraus. Darin gab er an, sich falsch ausgedrückt zu haben. Die Aussagen seien unvorbereitet gewesen und reflektierten nicht die "tiefe Empathie, die ich für die Tausenden Frauen empfinde, die jedes Jahr vergewaltigt und missbraucht werden." Gleichzeitig erklärte er, dass das Thema Abtreibung in diesem Zusammenhang emotional aufgeladen sei, er aber nicht glaube, dass es der richtige Weg sei, "einem weiteren unschuldigen Opfer Leid anzutun".

*zur Übersetzung von "legitimate" hat Anatol Stefanowitsch im Sprachlog etwas geschrieben. Wir haben Überschrift und Text entsprechend korrigiert.