US-Wahlkampf mit Theologie Santorum zweifelt am Glauben Obamas

Ist Barack Obama ein verkappter Muslim? Der Republikaner Rick Santorum unterstellt dem US-Präsidenten einen Glauben, der "nicht auf der Bibel gründet". Obamas Lager reagiert empört und spricht vom "letzten Tiefpunkt" der republikanischen Vorwahl-Kampagne. Den gottesfürchtigen Kirchgänger Santorum ficht das nur bedingt an.

Von Christian Wernicke, Washington

Wahlkampf in Amerika ist stets auch Kulturkampf. Und manchmal eine Vorform von Religionskrieg. Daran hat Rick Santorum, der katholisch-konservative Aspirant auf die republikanische Präsidentschaftskandidatur, nun seine Nation erinnert.

"Er zwingt der Kirche seine Werte auf": Der Republikaner Rick Santorum bezweifelt, dass US-Präsident Barack Obama so ganz den rechten Glauben hat.

(Foto: AP)

Barack Obamas Politik, so warnte Santorum am Wochenende, verfolge Unheimliches: "Alles dreht sich um ein falsches Ideal, irgendeine falsche Theologie", verkündete der Kandidat. Welchen Gott der demokratische Präsident da anbetet, das weiß der Ex-Senator zwar nicht: "Oh, nicht eine Theologie, die auf der Bibel gründet - eine andere Theologie."

Santorum, ein gottesfürchtiger Kirchgänger und Vater von sieben Kindern, löste mit seiner spekulativen Religionsforschung ein heftiges Echo aus. Schließlich klangen seine Einlassungen vor einer Runde von Tea-Party-Anhängern so, als wolle er die kruden alten Gerüchte aufwärmen, in Obama sei ein verkappter Muslim ins Weiße Haus gezogen.

"Dies ist der letzte Tiefpunkt in einer republikanischen Vorwahl-Kampagne, die von Verzerrungen, Gemeinheiten, ätzender Schwarzmalerei und Negativität befeuert wird", hieß es aus der Wahlkampfzentrale von Barack Obama in Chicago. Also bereute Santorum. Ein wenig jedenfalls.

Das Christentum habe ja "viele verschiedene Streifen", merkte er an, und er habe keineswegs sagen wollen, der schwarze Mann im Weißen Haus sei ein Ungläubiger: "Wenn er sagt, er sei ein Christ, dann ist er ein Christ." Aber dann legte Santorum gleich wieder nach.

"Obama zwingt der Kirche seine Werte auf"

Der Republikaner verwies auf den jüngsten Zank um Obamas Gesundheitsreform, die kirchennahen Krankenhäusern oder Kindergärten vorschreibt, ihren Angestellten eine Versicherungspolice inklusive kostenlosem Anspruch auf Verhütungsmittel anzubieten. Damit, so wetterte Santorum, verletzte Obama die verfassungsrechtlich garantierte Religionsfreiheit: "Er zwingt der Kirche seine Werte auf, und das ist falsch."

Tatsächlich mischt Santorum häufiger als seine republikanischen Konkurrenten Glauben und Religion in seine politische Botschaft hinein. Der 53-jährige Ex-Senator aus Pennsylvania zielt damit auf eine Wählerschicht, die in Michigan und Ohio - zwei großen Bundesstaaten mit nahenden Vorwahlen - die Primaries entscheiden können: konservative Arbeiter ohne Collegeausbildung und bestenfalls durchschnittlichem Einkommen.

Diese Malocher hegen ein tiefes Misstrauen gegenüber vermeintlich arroganten Absolventen von Elite-Unis wie Barack Obama oder Mitt Romney, Santorums ärgstem Konkurrenten um die rechte Kandidatur. Der Katholik Santorum wirbt um ihre Stimmen, mit Gott und Glaubensbekenntnissen.

Manchmal verheddert sich Santorum dabei in seinen Worten. Vorige Woche warnte er, Obamas antikirchlicher Kurs führe Amerika auf den Abweg der Französischen Revolution - "und damit letztlich zur Guillotine".