US-Vorwahl Diese Videos zeigen den Unterschied zwischen Bernie und Hillary

(Foto: Quelle: Youtube)

Zwei demokratische Kandidaten, zwei Philosophien: Während Clinton sich selbst in den Mittelpunkt stellt, appelliert Sanders an Nostalgie und Gemeinschaft.

Von Matthias Kolb, Des Moines (Iowa)

Die Sensation hat Bernie Sanders in Iowa nicht geschafft: Der "demokratische Sozialist" lag mit 0,29 Prozentpunkten hauchdünn hinter der scheinbar unbezwingbaren Hillary Clinton. Doch all die Mitarbeiter von "Bernie 2016", die mit Augenringen durch Des Moines laufen, sind genauso enthusiastisch wie die Tausenden Freiwilligen, die nun nach New Hampshire, Nevada und South Carolina ausschwärmen, um Wahlkampf für den Senator aus Vermont zu machen

Der Glaube an die "politische Revolution", die Sanders verspricht und zu der ein Mindestlohn von 15 Dollar, kostenlose Hochschulbildung und strengere Auflagen für Wall-Street-Banken gehören, ist ungebrochen und nach Gesprächen mit einem Dutzend Freiwilligen entsteht nicht der Eindruck, dass die Bernie-Fans bald zu Hillary überlaufen werden. Das Misstrauen ihr gegenüber scheint eher zu wachsen.

Kaum etwas illustriert den Unterschied zwischen den demokratischen Kandidaten besser als die populärsten Wahlkampf-Videos, mit denen Clinton und Sanders für sich werben. Dabei dominiert der 74-Jährige nicht nur die Debatten in den sozialen Netzwerken - sein Clip "America" gilt als der bislang beste des Wahlkampfjahrs 2016.

Darin zu sehen sind viele Bilder aus der Landwirtschaft, mehr Impressionen aus Dörfern als Hipster in Städten (okay, ein Coffeeshop ist zu sehen) und vor allem fröhliche Gesichter. Kinder umarmen ihre Eltern, es wird getanzt und Bernie-Fans klatschen sich ab. Abgesehen vom gesetzlich vorgeschriebenen Abspann ("ich bin Bernie Sanders und billige diese Botschaft" ) fällt kein einziges Wort - zu hören ist hingegen der Song "America" von Simon & Garfunkel - wie die Eiscreme-Hippies Ben und Jerry unterstützen sie Sanders' Kandidatur.

Das Video trifft die Stimmung vieler Sanders-Events: Seinen sehr jungen und sehr weißen Fans geht es ums "Wir", sie fühlen sich als Teil einer Gemeinschaft und wollen daran glauben, dass eine bessere Welt möglich ist. Der Clip besticht durch einen Optimismus, der eine Wohltat ist gegenüber der permanenten Panikmache und dem "Amerika ist ruiniert"-Gerede der Republikaner.

"America" unterscheidet sich aber auch von den Videos, die Hillary Clinton präsentiert. Sie ist natürlich optimistischer als die Konservativen, doch fast alle Clips drehen sich um sie selbst. Was sie erreicht hat, wie hart hat sie gekämpft, wie erfahren sie ist und wie konkret ihre Pläne sind. Exemplarisch ist dieses kämpferische Video mit dem Titel "Fighter".

In Iowa wurde dieses Fünf-Minuten-Video direkt vor Clintons Auftritten gespielt. Natürlich betont die ehemalige Außenministerin und First Lady, dass sie für alle Amerikaner kämpfen werde. Doch wo Bernie Sanders das Wort "wir" verwendet, benutzt Hillary viel öfter das Wort "ich" - wie in diesem kürzeren Clip.

Sanders' Appell ist stets: "Ich brauche euch, damit wir gemeinsam das System verändern können." Anders als seine Konkurrentin verspricht der 74-Jährige nicht, dass er alleine den Stillstand in Washington auflösen kann - dies ist nur möglich, wenn ihn eine Massenbewegung unterstützt, die sich auch nach den Wahltagen weiterhin engagiert.

Dass dies funktioniert, zeigen die Finanzen: Sanders verfügt über ähnlich viel Geld wie Clinton, obwohl er keine Spenden von Konzernen annimmt. 27 Dollar ist die Durchschnittssumme, die seine Fans überweisen - und sie scheinen bereit, immer wieder nachzulegen, wenn es nötig ist.

Der Zweikampf zwischen Bernie "Wir" Sanders und Hillary "Ich" Clinton dürfte noch wochenlang weitergehen, denn der politische Revolutionär denkt nicht ans Aufgeben - und er hat auch keinen Grund dazu.

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